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RhB Gem 4/4

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RhB Gem 4/4
Zug mit Gem 4/4 802 im Originalzustand oberhalb des Lago Bianco (1980er-Jahre)
Zug mit Gem 4/4 802 im Originalzustand oberhalb des Lago Bianco (1980er-Jahre)
Zug mit Gem 4/4 802 im Originalzustand oberhalb des Lago Bianco (1980er-Jahre)
Nummerierung: 801 und 802
Anzahl: 2
Hersteller: SLM, SWS, BBC, MFO
Baujahr(e): 1966
Achsfolge: Bo' Bo'
Spurweite: 1 000 mm
LĂ€ngeÂ ĂŒber Puffer: 13 890 mm
Breite: 2 700 mm
Treibraddurchmesser: 920 mm
Dienstmasse: 50 t
Höchstgeschwindigkeit: 65 km/h
Installierte Leistung: Vor Umbau: 2× 485 kW
Nach Umbau: 2× 709 kW
Stundenleistung: Elektrisch: 680 kW
Thermisch (vor Umbau): 926 kW
Thermisch (nach Umbau): 1 418 kW
Anfahrzugkraft: 192 kN
Stundenzugkraft: 106 kN
Motortyp: Elektrisch: Reihenschlussmotor
Thermisch: Cummins
Stromsystem: 1 kV =

Gem 4/4 ist die Serienbezeichnung fĂŒr die beiden Zweikraftlokomotiven der RhĂ€tischen Bahn (RhB).

Zweikraftlokomotive Gem 4/4 802 im Bahnhof von Poschiavo, Fahrtrichtung Tirano

Die beiden Gem 4/4 sollten als Universallokomotiven beschafft werden, als Ersatz fĂŒr Dampflokomotiven und einen bei einem Brand beschĂ€digten Triebwagen. Die Lokomotiven sollten im dieselelektrischen Betrieb auf dem gesamten Netz der RhB einsetzbar sein. ZusĂ€tzlich sollte ein rein elektrischer Betrieb auf der Berninabahn möglich sein.

UrsprĂŒnglich war die Furka-Oberalp-Bahn ebenfalls an einer solchen Lokomotive interessiert. Aus KostengrĂŒnden bestellte die Furka-Oberalp-Bahn jedoch eine Lokomotive, welche nur fĂŒr den reinen Dieselbetrieb ausgelegt ist. Dennoch sind die HGm 4/4, die ein Jahr spĂ€ter an die Furka-Oberalp-Bahn abgeliefert wurden, stark verwandt mit den Gem 4/4 der RhB.

Am Bau der 13,54 m langen, 50 t schweren Maschinen waren die Unternehmen SLM, SWS, BBC und MFO beteiligt. Die beiden Lokomotiven wurden nach einer verhĂ€ltnismĂ€ssig langen Entwicklungszeit von fĂŒnf Jahren 1968 der RhB ĂŒbergeben.[1]

Die 1968 in Betrieb genommenen Drehgestelllokomotiven mit den Betriebsnummern 801 und 802 verfĂŒgen ĂŒber jeweils zwei Dieselmotoren mit Gleichstrom-Generator und können somit fahrleitungsunabhĂ€ngig auf dem gesamten Streckennetz verkehren.

Bei Inbetriebnahme waren die Lokomotiven rot mit silbernen LĂŒftungsgittern. Sie wurden zwischen 1986 und 1987 an das seither gĂŒltige Farbschema angepasst: Rahmen graubraun, Kasten rot mit zweisprachigem Logo und BĂŒndner Kantonswappen.

Mechanischer Teil

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Der mechanische Teil wurde von SLM geliefert. Aus GrĂŒnden des einfachen Unterhalts und der Wirtschaftlichkeit sind einige Teile mit den ABe 4/4 II baugleich. So wurden z. B. die Drehgestelle einschliesslich der Fahrmotoren und das Bremssystem ĂŒbernommen.[2]

Elektrischer Teil

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Auch beim elektrischen Teil wurden Teile der ABe 4/4 II ĂŒbernommen, so ist z. B. die Leitelektronik fast identisch und die vier Fahrmotoren wurden ebenfalls ĂŒbernommen.

Betriebseinsatz

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Gem 4/4 Nr. 802 in ursprĂŒnglicher Farbgebung mit einem GĂŒterzug

Je eine Lokomotive ist in Pontresina und in Poschiavo beheimatet.

Das Haupteinsatzgebiet liegt seit Inbetriebnahme auf der Berninabahn, wo die Zweikraftloks hĂ€ufig in gemischter Doppeltraktion mit Triebwagen (ABe 4/4 II oder ABe 4/4 III) zu sehen waren. Sie ĂŒbernehmen Bauzug- und SchneerĂ€umdienste auf dem gesamten RhB-Netz.

Von 1973 bis 1981 waren die beiden Gem 4/4 jeweils im Sommer fĂŒr die Beförderung des Bernina-Express reserviert. Sie ĂŒbernahmen die nach Tirano durchlaufenden Wagen in Samedan vom St. Moritzer Schnellzug und beförderten sie in Dieseltraktion bis Surovas oder Bernina Diavolezza, wo zum Gleichstrombetrieb gewechselt wurde. Dann fĂŒhrten die Maschinen den Zug weiter bis nach Tirano. Heute wĂŒrde diese Betriebsform als Hybridtraktion gelten.

Nachdem in Pontresina das Gleis 3 mit einem umschaltbaren Fahrleitungsabschnitt ausgerĂŒstet wurde, fuhren die direkten Wagen ab Chur mit der Stammnetzlokomotive bis Pontresina unter 11 kV Wechselstrom. Nach dem Halt wurde die Lok abgehĂ€ngt und der Fahrleitungsabschnitt auf 1000 V Gleichstrom umgestellt. Darauf wurden die Triebfahrzeuge der Berninabahn (meist Triebwagen des Typs ABe 4/4 II oder ABe 4/4 III oder gemischt mit der Gem 4/4) an den Zug manövriert. Nach dem fahrplanmĂ€ssigen Halt von 7 Minuten ging die Fahrt unter Gleichstrom weiter ĂŒber den Bernina.

Seit 2011 werden die Bernina Express ZĂŒge durch die Allegra TriebzĂŒge gefĂŒhrt. Ein Triebfahrzeugwechsel in Pontresina ist deshalb nicht mehr nötig.

SchneerÀumung

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Gem 4/4 802 mit Schneeschleuder Xrot d 9213 am Berninapass

Nebst der Doppeltraktion mit den genannten Triebwagen können die Gem auch von den elektrischen Schneeschleudern Xrot et ferngesteuert werden.

Die Schneeschleudern können dabei entweder direkt von der Netzspannung von 1 kV Gleichspannung gespeist werden, oder von einer Gem 4/4. Im zweiten Fall wird einer der beiden Dieselmotoren einschliesslich Generator der Gem 4/4 dazu verwendet, die Schneeschleuder elektrisch zu versorgen. Dabei werden die Gem und die Xrotet ĂŒber ein Kabel miteinander verbunden. Der zweite Dieselmotor einschliesslich Generator wird fĂŒr das Fortbewegen der Lok und der Schneeschleuder verwendet.

In dieser Kombination können die elektrischen Schneeschleudern der Berninabahn auf dem gesamten Netz der RhB eingesetzt werden. Seit der Ablieferung der neuen dieselbetriebenen Schneeschleudern der Berninastrecke werden die Gem auch fĂŒr deren Traktion eingesetzt.

Liste der Gem 4/4

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Nr. 801 "Steinbock" in Poschiavo
BetriebsnummerNameInbetriebnahmeRevision
801Steinbock19682002
802Murmeltier19682003
Gem 4/4 801 und 802 im Zustand nach der Sanierung 2002/03

Im Jahr 2000 wurde die Lok 801 in der HauptwerkstÀtte in Landquart nach einem Brandschaden komplett saniert. Dabei wurden folgende Komponenten verÀndert:

  • Die beiden FĂŒhrerstĂ€nde wurden abgetrennt und durch neue ersetzt. Der FĂŒhrertisch wurde so angepasst, dass er nun dem der Ge 4/4 III entspricht.
  • Die Dieselmotoren wurden durch neue mit je 709 kW ersetzt, ebenfalls 12-Zylinder-Cummins-Motoren (QST30-L).
  • Die FĂŒhrerstĂ€nde wurden um je 22 cm verlĂ€ngert.
  • Die Leitelektronik wurde durch eine mikroprozessorgesteuerte ersetzt.
  • Im FĂŒhrerstand wurde eine Klimaanlage eingebaut.

Die Lok 802 wurde 2002/03 ebenfalls umgebaut.

Seit dieser Revision prĂ€sentieren sich die Gem wieder im strahlenden RhB-Rot. Die beiden Exemplare sind – ausser an den Betriebsnummern – durch die seitlich angebrachten silbernen Signete zu unterscheiden, die bei 801 einen Steinbock und bei 802 ein Murmeltier zeigen.

Im Rahmen des Betriebes hat sich herausgestellt, dass sich die zwei umgebauten Loks im Falle einer Doppeltraktion sehr nahe kommen (aufgrund der verlĂ€ngerten FĂŒhrerstĂ€nde). Als Sofortmassnahme wurden die Doppeltraktion verboten und anschliessend die Loks durch den Einsatz von Zwischenringen um 35 mm verlĂ€ngert.[3]

  • Eric Kröpfli: Die Modernisierung der Zweikraftlokomotiven Gem 4/4 801–802 der RhĂ€tischen Bahn. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. 6/2001
  • Wolfgang Finke, Hans Schweers: Die Fahrzeuge der RhĂ€tischen Bahn 1889–1998. Band 3: Lokomotiven, Triebwagen, Traktoren. Schweers + Wall, Aachen 1998, ISBN 3-89494-105-7, S. 205–206.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Archivierte Kopie (Memento vom 4. Mai 2013 im Internet Archive) RhB Gem 4/4 801–802
  2. ↑ http://www.berninamodell.ch/vorbild/triebfahrzeuge/gem44801802/index.html
  3. ↑ T. Keller: Schweizerische Eisenbahn Revue. Hrsg.: Minirex AG. Band 2004-01, Nr. 2004-01. Minirex AG, Maihofstrasse 63, Luzern Januar 2004, S. 10.
Commons: RhB Gem 4/4 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien