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Fretless Bass

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Ein Fretless Bass (englisch fretless = bundlos) ist ein E-Bass (oder auch ein akustischer Bass) mit einem Griffbrett ohne BĂŒnde. Das erste in Serie hergestellte Fretless-E-Bass-Modell kam im Jahr 1966 in den Vereinigten Staaten auf den Markt.

Ein viersaitiger Fretless-E-Bass des deutschen Herstellers Sandberg Guitars

Im Jahr 1951 hatte der US-amerikanische Techniker und Erfinder Leo Fender mit dem Fender Precision Bass den modernen E-Bass mit BĂŒnden erfunden. Seitdem war in Musikbands und Tonstudios die Nachfrage nach Bassisten, die diesen elektrisch verstĂ€rkten „Horizontal-Bass“ spielten, gestiegen. Nicht wenigen Kontrabassisten entgingen AuftrĂ€ge, weil sie Probleme beim Umstieg auf ein Instrument mit BĂŒnden hatten.

Der genaue Ursprung des bundlosen E-Basses ist ungeklÀrt. Bill Wyman, bekannt geworden als Bassist der englischen Rockband The Rolling Stones, kann als einer der ersten Fretless-Bass-Spieler gelten. Wyman berichtete in einem Interview von seinem ersten E-Bass, bei dem er im Jahr 1961 die BundstÀbchen entfernte, weil sie beim Spielen zu viele NebengerÀusche verursachten:

„[
] Der schnarrte bei jedem Ton, weil die BĂŒnde so abgewetzt waren. Ich dachte, ich reiße einfach die BĂŒnde ‘raus und setze neue ein, sobald ich mir das leisten kann. Aber als ich sie herausgerissen hatte, klang er plötzlich richtig gut! Darum habe ich die BundstĂ€bchen nie eingesetzt, und ich glaube, das war der erste Fretless Bass ĂŒberhaupt.“[1]

Der erste in Serie hergestellte Fretless-E-Bass wurde von der US-amerikanischen Firma Ampeg angeboten: Bereits Ende der 1940er-Jahre hatten die beiden Kontrabassisten Everett Hull und Jess Oliver in New York City das Unternehmen Ampeg gegrĂŒndet. Die Firma stellte seit den 1950er-Jahren Tonabnehmer-Systeme fĂŒr KontrabĂ€sse sowie elektrische BassverstĂ€rker her. Im Jahr 1962 war mit dem Ampeg Baby Bass ein kleinformatiger E-Kontrabass auf den Markt gekommen.[2]

Ampeg erfuhr ĂŒber seine Kunden von den Schwierigkeiten der Kontrabassisten mit dem E-Bass mit BĂŒnden. Die FirmengrĂŒnder Hull und Oliver hatten die Idee, einen E-Bass ohne BĂŒnde herzustellen. Im Jahr 1966 konstruierte Ampeg-Mitarbeiter Dennis Kager, Elektrotechniker und Gitarrist, das E-Bass-Modell AUB-1 (Ampeg Unfretted Bass). Das Modell hat wie ein Kontrabass einen Wirbelkasten mit Schnecke sowie Stimmmechaniken mit hinterstĂ€ndigen FlĂŒgeln, um Kontrabassisten anzusprechen.[3] Dieser E-Bass mit bundlosem Griffbrett ging im selben Jahr in Produktion und wurde zu einem Markterfolg.[2] FĂŒr die Dauer von knapp vier Jahren war der bundlose Ampeg-E-Bass der einzige seiner Art. Die erste Konkurrenz bekam das Modell durch die Firma Fender, die 1970 eine bundlose Variante des Precision Bass auf den Markt brachte. Ironischerweise hatte das Fender-Modell seinen Namen ursprĂŒnglich wegen der BĂŒnde bekommen, die die PrĂ€zision der Intonation erleichterten.[4] Eine bundlose Version des Fender Jazz Bass, das zweite E-Bass-Modell der Firma, sowie Fretless-E-BĂ€sse weiterer Hersteller folgten. Seit den 1970er-Jahren hat sich der Fretless-E-Bass als eine verbreitete Alternative zum E-Bass mit BĂŒnden etabliert.

Wesen und Tonbildung

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Durch das bundlose Griffbrett erhĂ€lt das Instrument seinen charakteristischen Klang, der Ähnlichkeiten mit dem eines Kontrabasses aufweisen kann. Er wird gerne als „holzig“, „knurrend“ oder „singend“ bezeichnet. Dieser Eindruck entsteht, da die gegriffene Saite nicht wie beim herkömmlichen E-Bass Kontakt mit dem BundstĂ€bchen hat, sondern direkt auf dem Griffbrett aufliegt. Deshalb sind auch echte Glissandi möglich.[5] Ein viel wichtigeres Kriterium ist aber die Möglichkeit der differenzierten Tonbildung, die bei einem Instrument mit BĂŒnden nicht gegeben ist. Ähnlich wie beim Kontrabass können Töne mit Vibrato gespielt werden. Der Ton kann geformt, die Ausdruckstiefe der Töne bereichert werden.

Der Fretless Bass erfordert eine andere Spielweise als der Bass mit BĂŒnden. Da die BĂŒnde fehlen, ist eine akkurate Intonation durch den Spieler erforderlich, Ă€hnlich wie bei den Streichinstrumenten. Das erfordert nicht nur ein gutes Gehör fĂŒr die Feinheiten einer richtigen Tonhöhe, sondern auch eine prĂ€zise Sicherheit im Treffen der Töne, verbunden mit einer gut entwickelten Spieltechnik der Greifhand. Die visuellen Hilfsmittel, Markierungen auf oder an der Seite des Griffbretts, sind beim Fretless Bass nur ungefĂ€hre Orientierungshilfen und ersetzen auf keinen Fall eine sorgfĂ€ltige Intonation. Eine saubere Intonation auf bundlosen Griffbrettern ist unverzichtbar, um bei mehrsaitigem Spiel Schwebungstöne im gegriffenen Grundton und in den Obertönen zu vermeiden. Eine der Voraussetzungen fĂŒr das Erlernen einer sauberen Intonation auf dem Fretless ist das Training des Gehörs, um eigene Spielfehler sofort zu bemerken. In einigen Lehrmitteln fĂŒr Fretless-Bass wird als Übungsziel empfohlen, sich das „blinde“ Spielen auf dem Instrument anzueignen.[6]

Prominente und einflussreiche Fretless-Bassisten

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Jaco Pastorius mit Fretless-E-Bass bei einem BĂŒhnenauftritt mit der Band Weather Report im Jahr 1977
Der englische Bassist Jack Bruce mit Fretless-E-Bass bei einem BĂŒhnenauftritt
  • Als einflussreichster Fretless-Bassist kann der US-Amerikaner Jaco Pastorius (1951–1987) gelten,[7] der im Jahr 1969 oder 1970 die BundstĂ€bchen aus dem Griffbrett seines Fender Jazz Bass entfernte. Von Pastorius wird berichtet, dass er die so entstandenen Fugen im Griffbrett mit Holzkitt fĂŒllte und das Griffbrett anschließend mit Marine Epoxy versiegelte, einem sehr harten Bootslack, der sonst fĂŒr den Anstrich von SchiffsrĂŒmpfen verwendet wird.[8][9] In einem Interview bezeichnete Pastorius sich selbstbewusst als „der erste Fretless-Bassist“:
„Also eigentlich lĂ€uft es darauf hinaus, dass ich der erste Typ bin, der einen Fretless benutzt; weil ich nĂ€mlich der erste bin, der ihn wirklich spielt, denn die anderen Typen können ihn nicht sauber spielen [
].“[10]
  • Jack Bruce (1943–2014), in der zweiten HĂ€lfte der 1960er-Jahre bekannt geworden als Bassist der englischen Rockband Cream, wechselte einige Jahre nach der Auflösung dieser Supergroup zum bundlosen E-Bass. Bruce hatte in seiner Jugend ein Hochschulstudium fĂŒr Cello und Kontrabass absolviert, was ihm den Wechsel erleichterte. Der Bassist Ă€ußerte in einem Interview, er empfinde es beim Fretless-Spiel als offensichtliches Plus, Kontrabass gespielt zu haben.[11] Jack Bruce spielte spĂ€ter bevorzugt das Fretless-E-Bass-Modell Thumb Bass des deutschen Herstellers Warwick, an dessen Design er beteiligt war.[5][12]
  • Michael Manring (* 1960) ist ein amerikanischer Fretless-Bassist, der meist als Solobassist arbeitet. BerĂŒhmt wurde er durch seine Zusammenarbeit mit dem Gitarristen Michael Hedges, Steve Morse oder Alex de Grassi. Michael Manring lebt in Oakland, Kalifornien.
  • Ein weiterer renommierter Fretless-Bassist ist der Waliser italienischer Herkunft Pino Palladino (* 1957), der seit dem Alter von 18 Jahren bundlosen E-Bass spielt. Mit 20 Jahren spielte Palladino in verschiedenen Funk- und Soul-Bands. Er wurde in den 1980er-Jahren bekannt als Studiomusiker fĂŒr eine Vielzahl an prominenten Interpreten, darunter Paul Young (zu dessen Coverversion des Marvin-Gaye-Hits Wherever I Lay my Hat er 1983 die Basslinien beisteuerte), sowie Phil Collins, Pete Townshend und David Gilmour.[13] Palladino spielt unter anderem eine bundlose Version des E-Bass-Modells Music Man StingRay.[14]
  • Der US-Amerikaner Steve Bailey (* 1960) ist ein Virtuose auf dem sechssaitigen Fretless-E-Bass. Er bereichert sein Spiel um IntervallsprĂŒnge mit Quint-Akkorden und Flageolett-Töne und spielt sein Instrument unter anderem mit Verzerrer. Bailey, der neben E-Bass auch Kontrabass spielt, war Begleitmusiker unter anderem der britischen Rockband Jethro Tull und des Jazz-Trompeters Dizzy Gillespie.[15] Gemeinsam mit seinem Bassisten-Kollegen Victor Wooten schuf Bailey mehrere Musikalben und Lehrvideos fĂŒr Bass.
  • Sting (* 1951), der Bassist und SĂ€nger der englischen Pop- und New-Wave-Band The Police, spielte bei Live-Auftritten der Gruppe in den spĂ€ten 1970er- und frĂŒhen 80er-Jahren hĂ€ufig seinen Fretless-Bass, das Modell Musician der japanischen Marke Ibanez.[13][16]
  • Der Argentinier Pedro Aznar (* 1959) gilt als weiterer Virtuose auf dem Fretless Bass.
Das Griffbrett eines E-Basses, der nachtrĂ€glich in einen Fretless umgewandelt wurde. In der VergrĂ¶ĂŸerung sind die verfĂŒllten Schlitze zu erkennen, die die BundstĂ€bchen hinterlassen haben

Es ist möglich, die BundstĂ€bchen einer Bassgitarre mit einer geeigneten Zange nachtrĂ€glich zu entfernen/entfernen zu lassen und so zu einem Fretless-Bass zu kommen. Die Schlitze, die die entfernten BundstĂ€bchen im Griffbrett zurĂŒcklassen, sollten mit entsprechenden Holzstreifen sorgfĂ€ltig ausgefĂŒllt werden, damit sich kein Schmutz darin ansammelt. Diese Maßnahme sollte von einem Gitarrenbauer durchgefĂŒhrt werden, kann aber auch von guten Schreinern erledigt werden. Es ist allerdings nicht unbedingt nötig, die BundstĂ€bchen zu entfernen, um einen Fretless Bass zu bekommen. Es gibt fertige, fabrikneue Fretless-Instrumente verschiedener Hersteller in allen Preislagen und in unterschiedlicher QualitĂ€t.

  • Adrian Ashton: Das Bass Handbuch (Geschichte, Technik, Übungen). Voggenreiter Verlag, Bonn 2006. ISBN 3-8024-0563-3
  • Tony Bacon, Barry Moorhouse: The Bass Book – a complete illustrated history of bass guitars.
    Deutsche Ausgabe, Balafon Books, London 1996
  • Jim Roberts: American Basses – an illustrated history and player’s guide (englisch).
    Backbeat Books, San Francisco 2003. ISBN 0-87930-721-8
Commons: Fretless Bass – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Bill Wyman, zitiert nach Adrian Ashton, ĂŒbersetzt von Sylkie Monoff: Das Bass Handbuch, S. 46
  2. 1 2 Tony Bacon, Barry Moorhouse: The Bass Book, S. 35
  3. ↑ Tony Bacon, Barry Moorhouse: The Bass Book, S. 32
  4. ↑ Jim Roberts: American Basses, S. 58
  5. 1 2 Adrian Ashton: Das Bass Handbuch, S. 47
  6. ↑ Artikel mit Beschreibung von Intonation und Tonbildung sowie Übungsbeispielen auf justchords.de (Memento des Originals vom 3. Juli 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  7. ↑ „In den 70er-Jahren definierte Pastorius den Fretless-Sound, live und im Studio [
].“ – in: Tony Bacon, Barry Moorhouse: The Bass Book, S. 29
  8. ↑ Adrian Ashton: Das Bass Handbuch, S. 46
  9. ↑ Henrik Michaels ĂŒber Jaco Pastorius (abgerufen am 22. Oktober 2012)
  10. ↑ Jaco Pastorius, zitiert nach Adrian Ashton, ĂŒbersetzt von Sylkie Monoff: Das Bass Handbuch, S. 46
  11. ↑ Jack Bruce, zitiert nach Adrian Ashton, ĂŒbersetzt von Sylkie Monoff: Das Bass Handbuch, S. 48
  12. ↑ Tony Bacon, Barry Moorhouse: The Bass Book, S. 62/63. Mit großformatiger Abbildung des Warwick Thumb E-Basses (Baujahr 1993) von Jack Bruce
  13. 1 2 Adrian Ashton: Das Bass Handbuch, S. 48
  14. ↑ Tony Bacon, Barry Moorhouse: The Bass Book, S. 49–51. Mit großformatiger Abbildung von Palladinos Music Man StingRay
  15. ↑ Adrian Ashton: Das Bass Handbuch, S. 49
  16. ↑ Tony Bacon, Barry Moorhouse: The Bass Book, S. 47/48. Mit großformatiger Abbildung von Stings Ibanez-Fretless-Bass