Dieser Artikel ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnĂ€chst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfĂŒgst.
Als Fliehburg (auch Fluchtburg, Volksburg, Bauernburg oder Vryburg) wird eine burgĂ€hnliche, meist von WĂ€llen umgebene Verteidigungsanlage bezeichnet, die nicht dauerhaft bewohnt wurde, sondern einer lokal ansĂ€ssigen Bevölkerung als zeitweiliger RĂŒckzugsort bei Kriegsgefahr diente. Ihrer Bauweise nach handelt es sich meist um Wallburgen.
In vergangenen Jahrhunderten wurden derartige Anlagen oft mit historisch falschen, legendenhaften Namen bezeichnet, wie HĂŒnenburgen, deren Entstehung HĂŒnen zugeschrieben wurde, oder als Heidenburgen, da man Heiden als Erbauer vermutete, oder Hunnenburgen, im Zusammenhang mit dem Hunnensturm.
Babilonie im Wiehengebirge, Wall der vorrömischen EisenzeitRekonstruierte spÀtrömische Fliehburg Katzenberg bei Mayen
In Europa sind durch archĂ€ologische Grabungen eine Vielzahl von groĂrĂ€umigen Wallanlagen (meist mehr als 100 m Durchmesser) der frĂŒhgeschichtlichen Zeit nachgewiesen, die als Fliehburgen vor allem aus der Hallstattzeit (ab etwa 800 v. Chr.), insbesondere der LatĂšnezeit (450 v. Chr. bis zur Zeit um Christi Geburt), interpretiert werden.
Ăber die antike Geschichtsschreibung sind unter anderem die von Gaius Iulius Caesar als oppidum bezeichneten Fliehburgen der Gallier und anderer Kelten bekannt, die jedoch auch dauerhafte Siedlungen sein konnten; bei den keltischen Oppida handelt es sich oft um gröĂere, stadtartig angelegte und befestigte Siedlungen der LatĂšnezeit (spĂ€ten Eisenzeit). Ăhnliche Ringwallanlagen (Wallburgen) bauten auch die verschiedenen germanischen und slawischen Völkerschaften, letztere noch bis weit in die Zeit des Mittelalters hinein, entweder als Flucht- oder auch als dauerhafte Siedlungsorte. Als Baumaterial wurde vor allem Erde, aber auch Holz und Stein in verschiedenen Konstruktionsweisen verwendet.
Die von den Römern selbst errichteten Fliehburgen aus der Zeit um 300 n. Chr., als zunehmend germanische StĂ€mme ĂŒber den Limes ins Römische Reich eindrangen, entsprachen der hochentwickelten römischen MilitĂ€rarchitektur.
Der Ăbergang von Fliehburgen zu dauerhaft bewohnten PlĂ€tzen ist oft flieĂend gewesen bzw. in wechselnden Phasen verlaufen, je nach Bedrohungslage. Ausschlaggebend waren auch die Wasserversorgung, die NĂ€he oder Ferne zu fruchtbaren Ebenen oder Handelswegen, die Höhenlage mit Rundblick oder Bewaldung, zur Verteidigung oder als Versteck in kriegerischen Zeiten oder auch als RĂŒckzugsort fĂŒr Talbewohner bei Ăberschwemmungen. Die Bandbreite reicht von simplen RingwĂ€llen mit Palisaden, in denen Menschen und Vieh sich kurzzeitig in Sicherheit bringen konnten, bis zu lĂ€ngerfristig bewohnten HĂŒttendörfern innerhalb der WĂ€lle. Die völkerwanderungszeitlichen Höhensiedlungen vor allem des 4. und 5. Jahrhunderts n. Chr. nahmen teilweise sogar stadtartigen Charakter an. In Italien sind solche Höhensiedlungen oft bis heute bewohnt, im Oströmischen Reich werden sie Kastrone genannt.
Fliehburgen wurden wĂ€hrend der Völkerwanderung von den vordringenden GermanenstĂ€mmen ebenso angelegt wie von den sich vor ihnen schĂŒtzenden römischen BĂŒrgern, darunter auch der romanisierten germanischen Bevölkerung im Römischen Reich. So finden sich um Ardennen und Eifel römische Fliehburgen, in SĂŒdwestdeutschland solche der Alamannen, in Mitteldeutschland der ThĂŒringer, im Alpenraum der romanisierten Kelten, in Italien und im Balkangebiet der dortigen römischen Bevölkerung. Diese Anlagen wurden nach Ende des Weströmischen Reiches teilweise von den eingedrungenen Goten und Langobarden weitergenutzt.
Im 8. Jahrhundert fĂŒhrten die Auseinandersetzungen zwischen Franken und Sachsen (die Sachsenkriege Karls des GroĂen) zur Anlage von Fliehburgen, oft auf HöhenrĂŒcken, die schon in vorchristlicher Zeit besiedelt gewesen waren. Am FuĂ von Bergen mit SachsenwĂ€llen, wie Syburg oder Eresburg, wurden dann oft frĂ€nkische Königshöfe angelegt. Bald danach fielen die Normannen in ganz Europa ein (9./10. Jahrhundert), gleichzeitig die Sarazenen im Mittelmeerraum (ab etwa 700 n. Chr.) und zwischen 899 und 955 folgten die UngarneinfĂ€lle, ebenfalls in ganz Europa, und wiederum wurden Fliehburgen errichtet oder alte Flucht- und SiedlungsplĂ€tze auf Anhöhen erneut befestigt. Die UngarnwĂ€lle entstanden jedoch, anders als frĂŒhere Fluchtburgen, nicht spontan, sondern vielmehr zentral geplant aufgrund der Burgenordnung, die König Heinrich I. auf dem Hoftag zu Worms (926) erlieĂ. Neben dem Ausbau Ă€lterer Wallanlagen wurden auch bisher schutzlose StĂ€dte und MĂ€rkte mit Mauern befestigt.
Auch spÀter im Mittelalter wurden Fliehburgen durch Bauern erbaut. Diese Bauernburgen dienten der Landbevölkerung als Schutz vor marodierenden Kriegshorden. Die Befestigungsanlagen hatten meistens nicht viel gemein mit den vom Adel erbauten, stÀndig bewohnten Burgen, sondern bestanden oft nur aus Erdbefestigungen und Holzpalisaden auf gut zu verteidigenden Höhenlagen.
Auch die mittelalterlichen Wehrkirchen und Kirchenburgen dienten als Fliehburgen. Sie wurden primĂ€r als Dorfkirche genutzt, waren durch Befestigung jedoch auch als temporĂ€rer Zufluchtsort fĂŒr die Dorfbewohner geeignet. Die Mauer des Kirchhofs, der in seiner eigentlichen Funktion als Friedhof diente, wurde bei Kirchenburgen zu einer verteidigungsfĂ€higen Wehrmauer ausgebaut, und auch der Kirchturm konnte Wehrfunktion ĂŒbernehmen.
Fliehburgen bestanden meist aus Erdwerken und RingwĂ€llen (Wallburgen), waren bisweilen als Viereckschanzen angelegt und verfĂŒgten oft ĂŒber Palisaden. In der Regel besitzen Fliehburgen keine TĂŒrme, teilweise kommen jedoch Torturm-Ă€hnliche Ăberbauten (siehe Bennigser Burg) vor. Fliehburgen dieser Art gehörten zu unbefestigten bĂ€uerlichen Siedlungen und boten im Falle eines feindlichen Angriffs der Bevölkerung einer Region Schutz, wĂ€hrend die Siedlungen meist der PlĂŒnderung und Zerstörung durch die Angreifer anheimfielen. FĂŒr den Fall einer Belagerung konnten die weitlĂ€ufigen Fliehburgen auch mit VorrĂ€ten ausgestattet werden. Da Fliehburgen ĂŒberwiegend keine Dauersiedlungen waren, werden bei archĂ€ologischen Ausgrabungen oft nur wenige Hinterlassenschaften gefunden.
Ringwallanlage DĂŒnsberg (Hessen), eisenzeitliches Oppidum, besiedelt ab dem 8. Jahrhundert v. Chr., innerer Wall 3. Jahrhundert v. Chr., Ă€uĂerer Wall um 120 v. Chr.
Eresburg, Sauerland, (alt)sÀchsische Volksburg (7./8. Jahrhundert n. Chr.) auf Àlterem Siedlungsplatz (seit 400 v. Chr.)
Eringaburg bei Holzminden, wohl frĂŒhe Eisenzeit, auch im 11.â12. Jahrhundert genutzt
Heidenburg bei Gimmeldingen, Rheinland-Pfalz, 9./10. Jahrhundert n. Chr. (Normannen-EinfÀlle)
Heidenlöcher bei Deidesheim, Rheinland-Pfalz, 9./10. Jahrhundert n. Chr.
Heidenschanze bei Sievern, Landkreis Cuxhaven, von 50 v. Chr. bis ins spÀte 1. Jahrhundert n. Chr. genutzt (Auseinandersetzungen zwischen Römern, Friesen, Markomannen, Cheruskern und Sachsen)
Heidenschuh bei KlingenmĂŒnster, Rheinland-Pfalz, 9./10. Jahrhundert n. Chr. (Normannen-EinfĂ€lle)
Herlingsburg bei Schieder-Schwalenberg, auf befestigtem Siedlungsplatz der Ă€lteren LatĂšnezeit ein sĂ€chsischer Wall des 8. Jahrhunderts n. Chr. mit Ă€uĂerer und innerer doppelter Holzschalenwand (bis Anfang des 10. Jahrhunderts benutzt)
Hohensyburg bei Dortmund, sÀchsischer Ringwall um 700 n. Chr.
HĂŒnenburg (Ohle), Sauerland, Zeitpunkt ungeklĂ€rt, vermutlich sĂ€chsisch, 8. Jahrhundert n. Chr., möglicherweise auf latĂšnezeitlichem Flucht- oder Siedlungsplatz
PlöĂnitz, Sachsen-Anhalt, Doppelgrabenwerk der vorrömischen Eisenzeit
Reitlingsbefestigungen (Krimmelburg)Reitlingsbefestigungen im Elm bei Braunschweig (Krimmelburg, Brunkelburg, Wendehai-WĂ€lle), Siedlungsplatz der LatĂšnezeit (5. Jahrhundert v. Chr.), Wall-Graben-Anlagen der vorrömischen Eisenzeit, dritte Bauphase im frĂŒhen Mittelalter (7. und 8. Jahrhundert n. Chr.), sowie Wachstation des Deutschen Ritterordens um 1300
Fliehburg bei Duel/Paternion (KĂ€rnten): Bei der Fliehburg auf einem HĂŒgel handelt es sich um 400 n. Chr. erbautes spĂ€tantikes Kastell, das die Aufgabe der Sicherung des StraĂenĂŒberganges in das Gailtal besaĂ, also primĂ€r nicht als Fliehburg angelegt worden war. Bei Ausgrabungen wurde neben den Befestigungsanlagen eine frĂŒhchristliche Kirche im Inneren des Kastells freigelegt.
Burg Kreuzen/Bad Kreuzen (Oberösterreich), der Ăberlieferung nach als Fliehburg um 900 angelegt.