Exemplarstreuung
Der in der Produktionstechnik verwendete Begriff Exemplarstreuung besagt: Eine charakteristische Eigenschaft eines Baulementes oder technischen GerĂ€tes fĂ€llt bei einer Serienherstellung nicht identisch aus, sondern es gibt fĂŒr jedes Einzelteil oder jede Charge Abweichungen von einem Referenzwert und untereinander. Die Kennwerte bei verschiedenen Exemplaren desselben Typs fallen unterschiedlich aus.[1]
Beispiele
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Im einfachen Fall des nebenstehend gezeigten Widerstands wird dieser durch drei Farbringe in seinem Nennwert gekennzeichnet, durch einen vierten Ring in seiner Grenzabweichung. Durch den goldenen Ring ganz rechts wird angegeben, dass der Widerstand des Exemplars um bis zu 5Â % vom Nennwert abweichen kann.
Halbleiterbauelemente können sogar in mehreren charakteristischen Eigenschaften nicht mit der wĂŒnschenswerten Einheitlichkeit herzustellen sein. Ferner kann die Exemplarstreuung erheblich breiter ausfallen. So wird fĂŒr einen Transistor-Typ beispielsweise neben dem typischen Wert ein Streubereich unter festgelegten Bedingungen angegeben:[2]
- den Gleichstrom-VerstÀrkungsfaktor mit typisch 290, minimal 200, maximal 450
- die Basis-Emitter-Spannung mit typisch 660 mV, minimal 580 mV, maximal 700 mV.
Oder fĂŒr einen OperationsverstĂ€rker-Typ wird beispielsweise neben dem typischen Wert der im ungĂŒnstigsten Fall auftretende Wert unter festgelegten Bedingungen angegeben:[3]
- der Eingangsruhestrom mit typisch 80 nA, maximal 500 nA
- der Gleichspannungs-VerstĂ€rkungsfaktor mit typisch 200âŻ000, minimal 50âŻ000
- die Eingangs-Offsetspannung mit typisch 1 mV, maximal 5 mV.
Bei derartigen Exemplarstreuungen muss durch Auslegung der elektrischen Schaltung (Arbeitspunktstabilisierung, Gegenkopplung)[4][5] dafĂŒr gesorgt werden, dass die Eigenschaft der mit solch einem Bauelement hergestellten Schaltung von diesen Eigenschaften des Bauelementes im Rahmen des Streubereichs unabhĂ€ngig wird.
Bei Sensoren werden Exemplarstreuungen von Nullpunkt und Steilheit (sowie NichtlinearitĂ€ten und definierte Einflusseffekte) bewusst in Kauf genommen. Ein Mikrorechner ĂŒbernimmt die Korrektur der individuellen Kennlinie. Die erforderlichen Parameter werden im Rahmen einer Kalibrierung ermittelt.[6]
Abgrenzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Exemplarstreuung ist von der Toleranz zu unterscheiden, die besagt, welche Abweichung vom Normalzustand gerade noch keine GegenmaĂnahme notwendig macht oder die Funktion eines Systems gerade noch nicht gefĂ€hrdet.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Detlef Gronwald, Martin Wolf: Lehrorientierte EinfĂŒhrung in die Elektrotechnik. Vieweg, 1982, S. 258
- â Datenblatt BC564B. S. 2, abgerufen am 25. November 2016.
- â Datenblatt 741. S. 5, abgerufen am 25. November 2016.
- â Erwin Böhmer, Dietmar Ehrhardt, Wolfgang Oberschelp: Elemente der angewandten Elektronik: Kompendium fĂŒr Ausbildung und Beruf. Vieweg + Teubner, 16. Aufl., 2010, S. 138 f
- â Ekbert Hering, Klaus Bressler, JĂŒrgen Gutekunst: Elektronik fĂŒr Ingenieure und Naturwissenschaftler. SpringerâVieweg, 6. Aufl., 2014, S. 215
- â Hans-Rolf TrĂ€nkler: Taschenbuch der MeĂtechnik: mit Schwerpunkt Sensortechnik. Oldenbourg, 2. Aufl., 1990, S. 249