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EMW 325

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
EMW
Bild nicht vorhanden
EMW 325-3
Produktionszeitraum 1952
Klasse GelÀndewagen
Karosserieversionen KĂŒbelwagen
Motoren Ottomotor:
2,0 Liter (55 PS)
LÀnge 3600 mm
Breite 1680 mm
Höhe 1930 mm
Radstand 2225 mm
Leergewicht 1775 kg
VorgÀngermodell keiner
Nachfolgemodell keiner

Der EMW 325-3, unrichtigerweise gelegentlich auch als P1 bezeichnet, ist ein offener, gelĂ€ndegĂ€ngiger KĂŒbelwagen mit zuschaltbarem Allradantrieb der Radformel 4x2 (4x4).

Der EMW 325-3 war eine Entwicklung von EMW (Eisenacher Motorenwerke) in ThĂŒringen. 161 Wagen wurden 1952 gebaut und danach die Fertigung eingestellt. Es gab kein Nachfolgeprojekt. Die anschließend in Sachsen entwickelten Fahrzeuge der P2-Typfamilie (P2L; P2M; P2S) und P3 basieren nicht auf dem EMW 325-3, sondern sind eigenstĂ€ndige Entwicklungen mit voneinander abweichenden konstruktiven Lösungen.

Der EMW-325-3 hat bis auf dieselbe GrĂ¶ĂŸenklasse (leicht) und den im Wesentlichen unverĂ€nderten Antriebsmotor kaum etwas mit dem Leichten Einheits-PKW der Wehrmacht (BMW-325) gemeinsam. Vor allem die Fahrwerke beider Typen unterscheiden sich wesentlich: Im Gegensatz zu den EinzelradaufhĂ€ngungen des Leichten Einheits-Pkw der Wehrmacht mit Doppelquerlenkern und jeweils 2 Schraubenfedern und TeleskopstoßdĂ€mpfern, hatte der EMW-325-3 vorn und hinten Starrachsen mit je zwei lĂ€ngsliegenden Torsionsfedern (DrehstĂ€be) mit direkt aufmontierten Kurbel- (oder Hebel-) StoßdĂ€mpfern. Technische Ähnlichkeiten bestehen eher zum EMW-340, von dem verschiedene Bestandteile (Motor, Wechselgetriebe, Hinterachse) ĂŒbernommen wurden, weil sie seinerzeit in Produktion standen. Es ist also kein Nachbau des Leichten Einheits-Pkw der Wehrmacht, sondern eine Neukonstruktion auf Basis der in Eisenach nach dem Krieg produzierten Limousine EMW 340.

Das Fahrzeug-Entwicklungswerk (FEW) Chemnitz bekam bereits Mitte 1951 die Weisung, einen leichten GelĂ€ndewagen neu zu entwickeln, der fĂŒr die militĂ€rische Fahrausbildung 1952 zur VerfĂŒgung stehen sollte. Hintergrund dieser Entscheidung war, dass im Gegensatz zur Situation bei der Entwicklung eines mittleren GelĂ€ndewagens (H1k und H1), fĂŒr den auf vorhandene Konstruktionsunterlagen der Wehrmacht und auf einen gewissen Bauteilebestand zurĂŒckgegriffen werden konnte, keine Konstruktionsunterlagen der leichten Einheits-Pkw in Sachsen mehr verfĂŒgbar waren. Der mittlere Einheits-Pkw der Wehrmacht war nĂ€mlich lĂ€ngere Zeit bei Horch in Sachsen gebaut worden. Die Entwurfsdaten fĂŒr den P1 (FEW) lagen Ende 1951 vor und hatten etliche Gemeinsamkeiten mit einem Leichten Einheits-Pkw. Es wurden dann drei Fahrzeuge gebaut, von denen die ersten beiden eine Karosserie ohne TĂŒren hatten, wĂ€hrend der dritte Prototyp mit vier TĂŒren versehen war. Insgesamt kam dieses Projekt sehr spĂ€t. Die Produktion war in Hainichen beim Framo-Werk vorgesehen und die vorgesehenen 160 Kfz hĂ€tten erst bis Ende 1953 ausgeliefert werden können. Damit hĂ€tten die bewaffneten Organe der DDR 1952 aber keine Fahrzeuge fĂŒr die Ausbildung gehabt. Das Projekt P1 wurde in der Folge vor allem deshalb, aber auch aus verschiedenen anderen GrĂŒnden eingestellt. Inzwischen hatte man in Eisenach (ThĂŒringen) beim EMW angefragt. Dort wurde seit 1951 an der Konstruktion eines GelĂ€ndewagens der leichten Klasse gearbeitet, allerdings nicht in Anlehnung an Wehrmachtskonstruktionen (die sich im Krieg als wenig geeignet erwiesen hatten), sondern unter Nutzung eigener konstruktiver Lösungen. Dieses Fahrzeug konnte kurzfristig in Produktion gehen und den 1952er Bedarf decken. So wurden 161 Kfz geliefert und in der Fahrausbildung und zum Personentransport eingesetzt. Da der EMW-325-3 stellvertretend fĂŒr den nicht rechtzeitig fertig gewordenen P1 (FEW) eingesetzt wurde, haftete ihm die Bezeichnung P1 an, was hĂ€ufig zu Irritationen und Verwechslungen beider Fahrzeugtypen fĂŒhrt. Basierend auf dem P1 (FEW) wurde nach PrĂ€zisierung der Aufgabenstellung in Sachsen (!) dann die Entwicklung der Fahrzeugfamilie P2 (P2M; P2S; P2L) begonnen und in die Fertigung ĂŒberfĂŒhrt. Grund dafĂŒr war, dass der Auftraggeber auch ein Schwimmfahrzeug dieser Klasse gefordert hatte, was eine Umkonstruktion des Fahrgestells erforderlich machte (nunmehr DrehstĂ€be, querliegend).

Technische Ausstattung

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Das Fahrzeug hatte einen Kastenrahmen. Beide Achsen waren Starrachsen, wobei die vordere wegen der Unterbringung der Gelenke der Antriebswellen als Gabelachse (a) ausgefĂŒhrt war. Die Achsen waren in der Mitte am DifferentialgehĂ€use mit lĂ€ngs angeordneten Dreiecksstreben (Mecano-Streben) beweglich angelenkt. An den Ă€ußeren Enden der Achsen erfolgte die FĂŒhrung ĂŒber die Hebel der hydraulischen, doppeltwirkenden StoßdĂ€mpfer.

Die KraftĂŒbertragung beim EMW-325-3 unterschied sich deutlich von der des Leichten Einheits-Pkw (BMW 325) der Wehrmacht. Der BMW 325 hatte ein 5-Gang-Wechselgetriebe mit zusĂ€tzlichem Zwischengetriebe: Dieses Wechselgetriebe hatte einen sehr kurz ĂŒbersetzten „Berggang“ und vier weitere Gangstufen (9,12; 5,01; 2,86; 1,69; 1,00). Das Zwischengetriebe war 1 : 1,358 ĂŒbersetzt. Dieses Fahrzeug fuhr permanent mit Allradantrieb und verfĂŒgte ĂŒber drei Sperrdifferentiale (eins lĂ€ngs als Zwischenachsausgleichs-Sperre und zwei quer als Achsausgleichssperren vorn und hinten).

Der EMW 325-3 hatte lediglich ein 4-Gang-Wechselgetriebe (3,85; 2,38; 1,54; 1,00; R: 3,44) mit einem zweistufigen Reduktionsgetriebe (1,83 und 1,00). Hier wurde im Normalbetrieb nur mit Hinterradantrieb gefahren. FĂŒr den Zwischengetriebe- oder Reduktorschalthebel gab es laut „VorlĂ€ufiger Bedienungs-Anweisung des Sonder-Pkw IFA EMW 325-3“ drei Schaltmöglichkeiten:

H-Stellung (Schalthebel nach vorn) – Konventioneller Hinterachsantrieb 4x2

A-Stellung (Schalthebel Mitte) – Allradantrieb fĂŒr trockenes GelĂ€nde mit Getriebe- und Achsausgleich 4x4 mit Momenten-Verteilung lĂ€ngs und quer (also ohne LĂ€ngs- und Quersperren)

S-Stellung (Schalthebel nach hinten) – Allradantrieb in schwierigem, nassem oder vereistem GelĂ€nde mit gesperrtem Zwischenachsausgleich und nicht gesperrten Achsausgleichsgetrieben (also nur LĂ€ngssperre, keine Quersperren).

Beim P-1 (FEW) aus Sachsen war es wiederum anders. Hier wurde in den GĂ€ngen 2 bis 4 lediglich mit Hinterradantrieb gefahren. Im ersten beziehungsweise Berggang und im RĂŒckwĂ€rtsgang wurde automatisch Allradantrieb geschaltet. Das Verteilergetriebe konnte mit Momenten-Verteilung zwischen Vorderradantrieb und Hinterradantrieb sowie mit gesperrtem Zwischenachsausgleich gefahren werden (also schaltbare LĂ€ngssperre). Die Hinterachse hatte ein selbstsperrendes Achsdifferentialgetriebe. Die Vorderachse war nicht sperrbar.

Den EMW-325-3 gab es nur mit Vorderachslenkung. Den BMW 325 gab es anfangs mit Allrad-Lenkung, von der aber schnell Abstand genommen wurde. Nicht zuletzt auch hier unterschied sich der EMW-325-3 also deutlich von den Leichten Einheits-Pkw (BMW 325).

Motor 6-Zylinder-4-Takt-Reihenmotor, Hubraum 1971 cm³,
Leistung 55 PS (40 kW) bei 3750/min,
WasserkĂŒhlung
Antrieb Hinterachsantrieb, Allradantrieb zuschaltbar
Getriebe 4-Gang-Wechselgetriebe
nachgeschaltetes Reduktionsgetriebe mit zuschaltbarem Allradantrieb und Sperrmöglichkeit fĂŒr den Zwischenachsausgleich (LĂ€ngssperre)
Bremsen Trommelbremsen, hydraulisch betÀtigt, Einkreissystem
Leergewicht/Zul. Gesamtgewicht 1200 kg / 1775 kg
Radstand/Spurweite/Bodenfreiheit 2225 mm / 1400 mm (vorn und hinten) / 220 mm
Höchstgeschwindigkeit 77 km/h
Verbrauch 17 Liter pro 100 km (Straße), 25 Liter pro 100 km (GelĂ€nde)
Wendekreis keine Angaben
  • Gau, Plate, Siegert: Deutsche MilitĂ€rfahrzeuge-Bundeswehr und NVA; ISBN 3-613-02152-8 (Seiten 300–318)
  • Lutz-Reiner Gau: Zeitschrift OffRoad 1997-Heft 1 (Januar); Seiten 78–83; Die Geschichte der GelĂ€ndewagen der DDR – Teil 1 "Ein Auto fĂŒr die Post"
  • DDR-Fahrzeuge Von AWO bis Wartburg S. 144 Verlag: garant Verlag GmbH Renningen 2015 ISBN 978-3-86766-378-6
  • MilitĂ€rfahrzeuge aus dem Osten S. 45 Verlag: garant Verlag GmbH Renningen 2017 ISBN 978-3-7359-1330-2
(a) 
Gabelachse heißt, dass der starre Achskörper einer gelenkten Achse links und rechts in eine Gabel auslĂ€uft, die Platz fĂŒr eine Antriebswelle lĂ€sst. Das Gelenk der Welle liegt genau im Drehpunkt des Achsschenkels, weshalb sowohl ein Achsschenkelbolzen oben als auch unten gebraucht wird.