Deutscher Journalisten-Verband
| Deutscher Journalisten-Verband (DJV) | |
|---|---|
| Rechtsform | Eingetragener Verein |
| GrĂŒndung | 1949 |
| Sitz | Berlin und Bonn (â) |
| Zweck | Gewerkschaft, Berufsverband |
| Vorsitz | Mika Beuster |
| GeschĂ€ftsfĂŒhrung | Timo Conraths |
| Mitglieder | 27.000 |
| Website | www.djv.de |
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) â Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten e. V. ist die gröĂte Journalistenorganisation Europas mit Sitz in Berlin und Bonn. Der DJV besteht seit 1949 hat rund 27.000 Mitglieder.[1] Bundesvorsitzender ist seit November 2023 der Journalist Mika Beuster[2]. Stellvertretende Bundesvorsitzende sind seit November 2023 die freien Journalistinnen Anne Webert und Mariana Friedrich; Schatzmeisterin ist die freie Journalistin Katrin Kroemer.[3] AuĂerdem gehören der Zeitungsredakteur Philipp Blanke, der Rundfunkjournalist Jonathan Janoschka und die freie Journalistin Ute Korinth dem Vorstand als Beisitzende an. GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bundesverbands ist Timo Conraths.
Selbstdarstellung und AktivitÀten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der DJV bezeichnet sich selbst als Kombination von Gewerkschaft und Berufsverband. Er sieht sich gleichermaĂen als Interessenvertretung fest angestellter und freiberuflich tĂ€tiger Journalisten aus allen Medienbereichen. Diese können durchaus auch in Pressestellen und PR-Agenturen tĂ€tig sein, solange sie journalistisch arbeiten. Kriterium fĂŒr die DJV-Mitgliedschaft ist die hauptberufliche journalistische TĂ€tigkeit. Neben klassischen tariflichen Aufgaben engagiert sich der DJV auch in Sachen Presse- und Informationsfreiheit sowie fĂŒr die QualitĂ€t journalistischer Aus- und Weiterbildung. Er meldet sich zu allen medienpolitischen Fragen, vor allem im Zusammenhang mit der Pressefreiheit, zu Wort. 2006 stellte der DJV unter dem Slogan âJournalisten 21â eine Kampagne zu Zukunftsperspektiven des Journalismus in den Mittelpunkt seiner Arbeit. 2007 bildete die Situation der Pressefreiheit im In- und Ausland den Schwerpunkt der Arbeit. Der DJV ist Mitunterzeichner der gemeinsamen ErklĂ€rung des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung gegen den Gesetzesentwurf ĂŒber die Vorratsdatenspeicherung. Die Sicherheit von Journalisten im Internet bzw. in der Online-Umgebung ist essentiell wie auch die Vermittlung von Technikfolgen-AbschĂ€tzungen an eine breitere Bevölkerung. AuĂerdem ist der DJV Teil des Gesellschafterkreises der 1949 gegrĂŒndeten Presse-Versorgung, einer Versorgungseinrichtung fĂŒr Journalisten und Medienfachleute. Im FrĂŒhjahr 2016 startete der DJV aufgrund sich hĂ€ufender Ăbergriffe gegen Journalisten den Blog augenzeugen.info.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Noch bevor der Deutsche Journalisten-Verband gegrĂŒndet wurde, bestand in Berlin schon ein Verband der deutschen Presse im Freien Deutschen Gewerkschaftsbund, der bereits im April 1946 seine erste Mitgliederversammlung abgehalten hatte. Im Juli 1948 spaltet sich der Verband der deutschen Presse, nachdem es immer stĂ€rkere bemerkbare Versuche der kommunistischen SED gab, den Berliner Verband in ihre Hand zu bekommen. In Westberlin wurde daraufhin der Presseverband Berlin gegrĂŒndet, der ehemalige ReichstagsprĂ€sident Paul Löbe ĂŒbernahm dessen Vorsitz. Zu diesem Zeitpunkt bestanden in fast allen BundeslĂ€ndern bereits JournalistenverbĂ€nde, fĂŒr die ein Zusammenschluss gesucht wurde, was bis Ende 1949 dauern sollte.[4]
Am 10. Dezember 1949 wurde der Deutschen Journalisten-Verband (DJV) auf dem ersten Verbandstag â damals Vertreterversammlung â in Berlin gegrĂŒndet. Aus KostengrĂŒnden lieĂ die damalige Satzung zu, dass ein Delegierter mehrere Stimmen seiner Landesorganisation vertrat. Erster Vorsitzender wurde der Leiter des Hamburger Senatspresseamtes, Erich Klabunde, der ein Jahr spĂ€ter verstarb. Zu seinem Nachfolger wurde der Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung, Helmut Cron, der den DJV bis 1953 fĂŒhrte. Erster GeschĂ€ftsfĂŒhrer wurde Hans Dawill, der bis zum Januar 1975 im Amt blieb.[4]
Im MĂ€rz 1950 wird Bonn, dem Sitz der Bundesregierung, als Verbandssitz bestimmt und ein BĂŒro errichtet.[4]
Ende 1950 legte die noch junge Gewerkschaft einen ersten Bericht mit einer beachtliche Bilanz ihrer AktivitĂ€ten vor: Formulierungen fĂŒr die GrundsĂ€tze und der Vorschlag fĂŒr ein Bundespressegesetz in der Hoffnung, dass sich die journalistische Arbeit in ErfĂŒllung einer öffentlichen Aufgabe vollzieht; es wurde ein Manteltarifvertrag entworfen, der fĂŒr Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk, Nachrichtenagenturen und KorrespondenzbĂŒros gleichermaĂen GĂŒltigkeit haben sollte; eine Forderung setzte sich fĂŒr die Mitbestimmung der journalistisch tĂ€tigen Arbeitnehmer ein. Verurteilt wurde auch die Verwertung ehemaliger Lizenzrechte durch einzelne Herausgeber, die ohne RĂŒcksicht auf ihre Mitarbeiter ihre Anteile an Verlagen verĂ€uĂerten beziehungsweise Verlagsunternehmen liquidierten. Der DJV setzte sich ebenfalls fĂŒr die Pauschalisierung der Werbungskosten bei der Besteuerung ein sowie fĂŒr die Aufwertung private Renten.[4]
1960 wird der Verbandssitz in der BennauerstraĂe 60 bezogen.[4]
Von 1975 bis 1978 war Fritz Richert (* 1922 in NĂŒrnberg; ab 1978 Leiter des Kulturamtes Stuttgart) Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes.[5] Nach 1985 wird Hubert Engeroff DJV-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer, zuvor war er beim hessischen Journalisten-Verband (hjv, heute DJV Landesverband Hessen e. V.) von 1980 bis 1985 GeschĂ€ftsfĂŒhrer.[4]
Im Jahr 2000 eröffnete der DJV ein HauptstadtbĂŒro in Berlin und machte Berlin 2005 auch wieder zu seinem offiziellen Sitz.
Am 11. September 2007 meldete der Deutsche Journalisten-Verband Berlin (ein Landesverband des DJV) wegen bilanzieller Ăberschuldung Insolvenz an.[6] Ab September 2008 ist der Landesverband laut Insolvenzplan wieder saniert und handlungsfĂ€hig.[7] Die DJV Berlin Sozialfonds GmbH hingegen konnte nicht saniert werden; sie musste aufgelöst werden.
Organisation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es gibt 15 LandesverbĂ€nde.[8] Die Mitglieder des DJV können sich ehrenamtlich in ihren Bezirken und LandesverbĂ€nden, auch im Bundesverband engagieren. Dazu stehen ihnen zahlreiche Gremien zur VerfĂŒgung. Sie können Mitglied im jeweiligen Landesvorstand oder im siebenköpfigen Bundesvorstand werden. Als beratende Gremien der VorstĂ€nde stehen den Mitgliedern FachausschĂŒsse zur Mitarbeit offen. Sie sind nach Berufsgruppen bzw. Mediengattungen unterteilt und reichen von Tageszeitungen ĂŒber freie Journalisten bis hin zum Rundfunk.
Der DJV ist unabhÀngig vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Dessen Journalistenorganisation ist die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di).
Bayerischer Journalisten-Verband
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hessischer Journalisten-Verband
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Leistungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wie alle BerufsverbĂ€nde ist der DJV Interessenvertretung seiner Mitglieder, unterstĂŒtzt sie durch Informationen und Beratung und veranstaltet Tagungen, Kongresse und Stammtische. Er gewĂ€hrt Rechtsschutz und bietet vergĂŒnstigte Versicherungen an. Berufsspezifische Leistungen sind die Ausstellung von Presseausweisen, das Abonnement der Zeitschrift journalist sowie das DJV-Bildportal, eine Vermarktungsplattform fĂŒr Bilder.[9] Der DJV erarbeitet ausformulierte GrundsĂ€tze fĂŒr die journalistische Arbeit, z. B. die Leitlinien zur Autorisierung von Interviews,[10] und veröffentlicht sie.
Der Journalist
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der DJV gibt seit 1967 seine Mitgliederzeitschrift journalist heraus. Das Blatt wurde durch den Verlag Rommerskirchen aus Remagen im Auftrag des DJV bis 2016 und bis Ende 2019 im Verlag New Business aus Hamburg produziert. Seit der Ausgabe Januar/Februar 2020 erscheint der journalist im Verlag Journalismus3000 aus Bonn.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â DJV-Profil â DJV â Deutscher Journalisten-Verband. Abgerufen am 24. Oktober 2019.
- â SĂŒddeutsche Zeitung: Neuer Vorsitzender fĂŒr den DJV, auf sueddeutsche.de
- â Neuer Bundesvorstand gewĂ€hlt. DJV, 6. November 2023, abgerufen am 25. November 2023 (deutsch).
- 1 2 3 4 5 6 Horst Köpke: Die ersten fĂŒnfzig Jahre â Geschichte des Hessischen Journalisten-Verbandes [1947â1997]. Hrsg. vom Hessischen Journalisten-Verband, Frankfurt am Main 1997 (Seite 12f).
- â Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Whoâs who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, LĂŒbeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1002.
- â Berliner DJV-Verband meldet Insolvenz an, auf tagesspiegel.de, abgerufen am 7. November 2020
- â Journalisten sanieren sich, auf taz.de, abgerufen am 7. November 2020
- â Die DJV-LandesverbĂ€nde, auf djv.de, abgerufen am 12. Dezember 2023
- â Vermarktungsplattform DJV-Bildportal. In: DJV-Bildportal.de. Deutscher Journalisten-Verband (DJV), abgerufen am 12. Dezember 2023.
- â Leitlinien fĂŒr Interview-Autorisierung. (PDF; 1,5 MB) In: DJV Wissen: 16. Deutscher Journalisten-Verband, Mai 2017, archiviert vom (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 26. Februar 2022; abgerufen am 12. Dezember 2023.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.