Ausbeute (Halbleitertechnik)
Die Ausbeute (englisch yield) bei der Herstellung von integrierten Schaltkreisen (ICs) dient als MaĂzahl zur Bewertung des Produktionsprozesses bzw. des Chipdesigns. Als Teil des Betriebsgeheimnisses wird sie von den Herstellern meist nicht publiziert bzw. sogar geheim gehalten.
Allgemeine Definition
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Verallgemeinert kann man die Ausbeute definieren als Anteil der verwertbaren bzw. lieferbaren Teile an der Gesamtteilezahl .[1]
Typische Ausbeutetypen sind
- die Linienausbeute (englisch line yield auch wafer fabrication yield; Anteil der bis zum finalen elektrischen Test bearbeiteten Wafer von der Gesamtzahl der gestarteten Wafer) und
- die Chipausbeute (englisch chip yield auch die yield oder total wafer yield; Anteil der an die Endmontage bzw. den Kunden gelieferten Chips von der Gesamtzahl der Chips auf einem Wafer)
DarĂŒber hinaus gibt es noch zahlreiche andere Kategorien, deren Bezeichnungen sich nach dem eingesetzten Bewertungstest ableiten:
- wafer sort yield: Die Chipausbeute nach dem elektrischen Test der integrierten Schaltungen (Chips) meist noch vor dem Vereinzeln des Wafers,
- wafer package yield: Die Ausbeute an lieferbaren Produkten nach Vereinzeln und Einbringung in ein GehÀuse,
- final test yield: Die Ausbeute nach dem elektrischen Test der integrierten Schaltung in einem GehĂ€use (auĂer bei Nacktchips) und
- burn-in yield: Die Ausbeute an lieferbaren Produkten nach dem Burn-in-Test.
Sofern die Ausbeutefaktoren jeweils bzgl. ihrer Eingangsanzahl angegeben sind anstatt auf die ursprĂŒngliche Anzahl Chips auf dem Wafer, berechnet sich die Gesamtausbeute aus dem Produkt der oben genannten Einzelelemente inkl. Linienausbeute. Dabei muss beachtet werden, dass bei Produkten, die aus mehreren Einzelchips bestehen, wie Multi-Chip-Modulen oder System-in-Package, kompliziertere Modelle zur Berechnung der Gesamtausbeute genutzt werden mĂŒssen.
Eine weitere Möglichkeit, die Ausbeute zu kategorisieren, ist die Einordnung nach Ausfallart, hierbei wird zwischen funktionaler und parametrischer Ausbeute unterschieden.[2] Unter funktionaler Ausbeute wird der Anteil voll funktionsfĂ€higer Produkte verstanden, also solcher, die nicht von âharten AusfĂ€llenâ wie KurzschlĂŒssen oder offenen Leiterbahnen betroffen sind. Es gibt jedoch auch FĂ€lle, bei denen funktionsfĂ€hige Produkte die Spezifikationen fĂŒr einen oder mehrere elektrische Parameter, wie Schaltfrequenz, Leistungsaufnahme, Rauschpegel oder Anzahl funktionierender redundanter Untereinheiten, nicht erfĂŒllen. Diese werden dann ebenfalls nicht als funktionsfĂ€hig angesehen und als parametrische Ausbeute erfasst.
Chipausbeute
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Chipausbeute bezeichnet das VerhÀltnis der funktionsfÀhig hergestellten Chips aus dem Produktionsprozess zur maximalen Anzahl von Chips auf dem Wafer.
FĂŒr den Hersteller ist die Chipausbeute eine wichtige Kennziffer in der Produktion, da sie einen wesentlichen Punkt fĂŒr die wirtschaftliche Bewertung der Fertigung darstellt. In der Regel wird je nach Entwicklungsstand der Produktion auch die Ausbeute fĂŒr das weitere Vorgehen als Bewertung herangezogen. Daher kann eine Chipausbeute im Bereich der angestrebten oder gar aufgrund einer Typischendefektdichte maximal zu erwartenden Ausbeute den Start der Massenfertigung signalisieren. Andererseits kann die Chipausbeute auch ein Anzeichen fĂŒr gröĂere Probleme bei der Fertigung sein. Beispielsweise gilt eine Ausbeute bei einem bereits seit einem Jahr genutzten Fertigungsprozess von unter 50 % als katastrophal, wenn der Zielwert zu diesem Zeitpunkt eigentlich bei ĂŒber 90 % ist.
Als Sweet Spot bezeichnet man die bestmögliche praktische Ausbeute gegen Ende der Lebensspanne eines Halbleiterbausteins: nachdem die Produktionsprozesse weiter optimiert werden, sollte der Sweet Spot so nahe wie möglich an der auf Ausbeutemodellen basierenden theoretischen erreichbaren Ausbeute liegen.[3][2]
Maximale Anzahl von Chips auf einem Wafer
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]FĂŒr die Berechnung der Chipausbeute wird die maximale Anzahl von (ganzen) Chips auf einem Wafer benötigt. Stark vereinfacht kann angenommen werden, dass sich die Obergrenze von nutzbaren Chips ergibt aus der WaferflĂ€che (anhand des Wafer-Durchmessers ) geteilt durch den FlĂ€cheninhalt eines einzelnen Die ():
FĂŒr einen beliebigen Wafer-Durchmesser und die gewĂŒnschte IC-GröĂe lĂ€sst sich die Anzahl vollstĂ€ndiger âDies pro Waferâ (DPW) wie folgt nĂ€herungsweise berechnen:
Der Fehler dieser AbschĂ€tzungen ist bereits bei mittleren ChipgröĂen nicht mehr vernachlĂ€ssigbar, da am Rand der runden Wafer zunehmend FlĂ€che mit unvollstĂ€ndigen Dies belegt ist und diese FlĂ€che mit der ChipgröĂe bzw. der lĂ€ngsten Chipseite zunimmt. Zudem gibt es in der Fertigung noch weitere EinschrĂ€nkungen, wie
- Ungleichförmigkeiten am Waferrand und dem daher eingefĂŒhrten Waferrandausschluss (englisch wafer edge exclusion) fĂŒr die Bewertung eines ganzflĂ€chig auf dem Wafer befindlichen Chips als ânutzbarerâ Chip,
- der Breite der Test- und SÀgegrÀben zwischen den einzelnen Chips
- der GröĂe von gesperrten Bereichen (an denen der Wafer z. B. per Automat âangefasstâ wird).
Durch eine optimierte Positionierung der Dies (dem Wafer-Layout) kann ggf. die Zahl der nutzbaren Chips gegenĂŒber einem symmetrischen Layout mit Chip-Mitte oder Ecke in der Wafer-Mitte erhöht werden.
Mathematisch gesehen fĂŒhrt ein Wafer mit quadratischen Dies in vielen FĂ€llen zu einer besseren Ausbeute als bei rechteckigen oder gar anders geformten Chips[4].
Modelle zur Ausbeute-AbschÀtzung
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Eine wesentliche EinflussgröĂe fĂŒr die Chipausbeute (genauer funktionale Chipausbeute) stellen physikalische Defekte dar, die bei der Herstellung eines integrierten Schaltkreises auftreten. Dabei handelt es sich neben Partikeln, Kratzern und Versetzungen auch um nicht korrekt abgebildete Strukturen oder um problematische (lokale) Schwankungen von Schichtdicken, StrukturgröĂen, Fehlausrichtungen u. v. m. AuĂerdem ist die GröĂe der jeweiligen Chips entscheidend, denn je gröĂer ein Chip ist, desto höher ist der Anteil eines ausgefallenen Chips am Ausbeuteverlust (yield loss). Im Extremfall von nur einem Chip pro Wafer könnte ein Defekt den Unterschied zwischen 100 % und 0 % Ausbeute machen.
Da die Ausbeute ein wichtiger Parameter fĂŒr die wirtschaftliche Betrachtung der Herstellung ist, wurden schon frĂŒh Modelle entwickelt, die auf Grundlage einer zum Teil messbaren bzw. gut abschĂ€tzbaren Defektdichte sowie anderer Produkt- und Fertigungseigenschaften eine AbschĂ€tzung der zu erwartenden Ausbeute erlaubt. Diese Modelle sind ĂŒblicherweise eine Funktion der Defektdichte (Defekte pro FlĂ€che) und der kritischen FlĂ€che
wobei die Bewertung der Defektdichte abhĂ€ngig von der verwendeten Technologie, das heiĂt der minimalen StrukturgröĂe, ist. So ist ein 40 nm groĂer Partikel fĂŒr ein Produkt in 180-nm-Technologie wahrscheinlich nicht bedeutsam, da er z. B. zwei Leiterbahnen mit einem Abstand von ca. 180 nm nicht kurzschlieĂen kann. FĂŒr ein Produkt in 28-nm-Technologie mit ca. 30 nm Bahnabstand ist die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalldefekts hingegen recht hoch.
Im Folgenden sollen kurz die wichtigsten Modelle genannt werden. FĂŒr ergĂ€nzende Informationen und Herleitungen der Funktionen sei auf die Literatur[3][2][5] verwiesen.
Poisson-Modell
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Poisson-Modell basiert auf der Annahme einer Gleichverteilung der Defekte ĂŒber die WaferflĂ€che (und auch von Wafer zu Wafer). Die Form der Modellfunktion entspricht dabei mathematisch der Poisson-Verteilung:
Murphy-Integral-Modell
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Murphy-Integral-Modell (nach B. T. Murphy) nimmt die Defektdichte nicht als konstant an, sondern unter Nutzung einer normierten Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion , die ĂŒber alle Chips aufsummiert werden muss. Es ergibt sich die allgemeine Integral-Funktion:
Je nach genutzter Dichtefunktion â gleichmĂ€Ăig, dreieckig, gauĂverteilt, exponentiell (nach Seeds) oder gemÀà Gamma-Funktion (nach Okabe, Nagata und Shimada bzw. nach C. Stapper, auch negatives Binominal-Modell) â ergeben sich zum Teil deutlich andere Modelle, die sich in der Industrie als mehr oder weniger effektiv herausgestellt haben.
Erhöhung der Ausbeute
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zur Erhöhung der Ausbeute gibt es neben der Verbesserung des Produktionsprozesses noch die Möglichkeit, durch entsprechendes Produktdesign defekte Baugruppen abschalten zu können und den verbleibenden noch (eingeschrÀnkt) funktionsfÀhigen IC weiterzuverwenden. So kann beispielsweise bei einem Prozessor ein Teil des Cache deaktiviert werden (beispielsweise oft beim Intel Celeron) oder bei einem Mehrkernprozessor einer der Prozessorkerne deaktiviert werden, wie beim AMD Phenom und AMD Phenom II.[6]
Leistungseingruppierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Verwertbare ICs werden hĂ€ufig nach verschiedenen Kriterien untersucht und eingruppiert, beispielsweise nach ihren Performance-Charakteristika bzgl. Leistungsaufnahme oder maximal erreichter Taktfrequenz. So können sie in unterschiedlichen Preissegmenten verkauft oder fĂŒr unterschiedliche Einsatzzwecke eingesetzt werden (z. B. fĂŒr medizinische GerĂ€te oder Raumfahrt). Mitunter besteht fĂŒr fehlerfreie ICs mit auĂerordentlicher Leistung zu wenig Nachfrage: es entsteht ein Ăberschuss. Solche ICs werden evtl. in einem niedrigeren Preissegment verkauft; manchmal werden sie dabei nicht extra in ihren Eigenschaften beschrĂ€nkt (z. B. eine Limitierung des Takts). Dies erlaubt es den KĂ€ufern dieser ICs, durch Ăbertaktung oder Unterspannungsbetrieb eine Mehrleistung oder einen geringeren Energieverbrauch zu erreichen als gemÀà Spezifikation zugesichert ist. Hierbei ist es möglich, dass unter demselben Handelsnamen und zum gleichen Preis völlig unterschiedliche Leistungen erreicht werden können. Die Ungewissheit, möglicherweise ICs mit besseren Leistungsdaten als spezifiziert zu erwerben, wird daher auch als âsilicon lotteryâ (dt. Siliziumlotterie) bezeichnet.[7]
Chiplet-Ansatz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anstatt monolithisch aufgebauter ICs oder SoCs, die alle Logik auf einem Chip vereinen, können die Funktionen auch auf mehrere einzelne Chips verteilt werden, sogenannte âChipletsâ (engl., Verkleinerungsform von Chip). Dies verringert die GröĂe der zu fertigenden ICs und steigert die Wahrscheinlichkeit, fehlerfrei gefertigte ICs aus der Produktion zu erhalten. Dies entspricht technisch dem System-in-Package-Ansatz. Bei einem monolithischen Chip mit 360 mmÂČ lĂ€sst sich im 7-nm-Fertigungsprozess durch Aufteilung in vier einzelne Chiplets etwa die doppelte theoretische Ausbeute erreichen (hierbei ist der zusĂ€tzliche Verschnitt von etwa 10 % bei einzelnen Chiplets und eine GesamtflĂ€che von etwa 396 mmÂČ bereits berĂŒcksichtigt).[8] Neben der verbesserten Ausbeute können einzelne Chiplets auch in unterschiedlicher QuantitĂ€t oder aus verschiedenen Fertigungsverfahren auf einem Package zu einem jeweiligen Produkt kombiniert werden, um so unterschiedliche Endprodukte zu erhalten. Vor allem AMD-Prozessoren wie Epyc, Threadripper und die Ryzen-3000-Serie setzen auf ein Chiplet-Design, bei dem 1 bis 8 Chiplets (mit je bis zu 8 aktiven Kernen) mit einem zusĂ€tzlichen I/O-Die kombiniert werden. Auch Intel hat immer wieder CPU-Modelle (z. B. diverse Core 2 Quad-Modelle) aus mehreren Chiplets hergestellt, um die Fertigungskosten oder die Ausbeute zu optimieren.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Richard C. Jaeger: Introduction to Microelectronic Fabrication (= Modular series on solid state devices. Band 5). Addison-Wesley, Reading, MA 1993, ISBN 978-0-201-14695-0 (englisch, archive.org).
- John E. Ayers: Digital Integrated Circuits. Analysis and Design. CRC Press, Boca Raton, FL 2004, ISBN 978-0-8493-1951-8 (englisch, archive.org).
- Gary S. May, Simon M. Sze: Fundamentals of Semiconductor Fabrication. Wiley International Edition Auflage. Wiley, New York 2004, ISBN 978-0-471-23279-7 (archive.org).
- Wai-Kai Chen (Hrsg.): The VLSI Handbook (=Â The Electrical Engineering Handbook Series). 2. Auflage. CRC/Taylor & Francis, Boca Raton, FL 2007, ISBN 978-0-8493-4199-1 (englisch, archive.org).
- Harry Veendrick: Bits on Chips. Springer International Publishing, Cham 2019, ISBN 978-3-319-76095-7, doi:10.1007/978-3-319-76096-4 (englisch).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- How Many Squares (dies) Fit in a Circle (wafer)? Fab Revenue Simulation and Optimization ( vom 30. September 2015 im Internet Archive) (englisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Diebold, A. C. (Alain C.): Handbook of silicon semiconductor metrology. Marcel Dekker, New York 2001, ISBN 0-8247-0506-8, S. 537 ff.
- 1 2 3 Gary S. May, S. M. Sze: Fundamentals of semiconductor fabrication. Wiley & Sons, 2004, ISBN 0-471-45238-6, S. 250 ff.
- 1 2 Manfred Kasper: Mikrosystementwurf: Entwurf und Simulation von Mikrosystemen. Springer, Berlin/Heidelberg 2000, ISBN 3-642-57123-9, S. 251 ff.
- â Christof Windeck: Infineon startet Serienproduktion auf 300-mm-Wafern. Auf: heise online. 10. Dez. 2001.
- â Alexander Miczo: Digital logic testing and simulation. 2. Auflage. Wiley-Interscience, Hoboken, NJ 2003, ISBN 0-471-45777-9, S. 11 ff.
- â AMD Athlon II X4 Propus 600 Quad-Core Chips Include 45W Models. www.techPowerUp.com, 10. Juli 2009, abgerufen am 13. August 2012.
- â What Is Binning? A Basic Definition. www.tomshardware.com, 31. Oktober 2018, abgerufen am 5. September 2019.
- â Chiplet. en.wikichip.org, 21. Juni 2019, archiviert vom (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 15. MĂ€rz 2023; abgerufen am 5. September 2019.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.