Burg Fels

Die Burg Fels (luxemburgisch: Buerg Fiels) liegt in der Gemeinde Fels in Luxemburg. Sie wurde wahrscheinlich im 12. Jahrhundert erbaut. Heute ist nur noch ein Bruchteil der BurggebĂ€ude erhalten und fĂŒr Besucher restauriert worden.
Geschichte und Wahl des Bauplatzes
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Durch archĂ€ologische Untersuchungen wurde die 1176 urkundlich belegte Burg Fels in die erste HĂ€lfte des 12. Jahrhunderts datiert. Ausschlaggebend fĂŒr die Wahl des Bauplatzes waren verteidigungstechnische GrĂŒnde. Die Errichtung als von schroff abfallenden FelshĂ€ngen gesicherte Spornanlage verweist auf die Verteidigungsabsichten des Erbauers. Neben dem Aspekt der Verteidigung, haben wohl auch wirtschaftliche sowie territorialpolitische GrĂŒnde fĂŒr die dortige Erbauung eine Rolle gespielt. Vieles deutet nĂ€mlich darauf hin, dass im Ernztal im FrĂŒhen Mittelalter eine regionale UferstraĂe (Luxemburg-Diekirch) bestand und ebenfalls der Kreuzungspunkt einer weiteren lokalen Wegverbindung (Mersch-Echternach), sowie die wirtschaftliche Nutzung des kleinen Flusses durch Fischfang und MĂŒhlbetrieb.[1]
Familien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Drei Familien haben das Burgleben der Burg Fels und Umgebung geprÀgt.
Die Felser
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seither hat noch keine Quelle genaue Auskunft ĂŒber die Herkunft der herrschaftlichen Familie von Fels gegeben. Ebenfalls sind die GrĂŒnde fĂŒr die Niederlassung dieser Adelsfamilie in dieser Gegend unbekannt. Die Möglichkeit einer Verwandtschaft mit der Familie von Ouren, sĂŒdlich von St. Vith, wird von Historikern erwogen.[2] Unter Johann II. von Fels, jĂŒngster Sohn des Arnold IV. von Fels, erreichte die Macht der Dynastie von Fels ihren Höhepunkt. Als treuer Vasall des Hauses Luxemburg, sowie seine Vorfahren vor ihm, gelang es Johann, die WĂŒrden des Banneramtes, des Truchsesses und des Richterrichters in einer Person zu vereinen.[3] Jedoch war Johann II. nicht der alleinige Herr der Burg Fels. Seine Tante Jeannette und deren Ehemann, Herr und Graf Johann von Homburg, erhielten nach dem Tod Johann I., Bruder der Jeannette und Onkel Johann II., einen Teil der Burg. Ebenfalls erhielten zwischen 1338 und 1345 Johanns II. Schwestern, Irmgard und Mathilde, die die BrĂŒder Friedrich und Conrad von Homburg geheiratet hatten, einen Teil der Burg. Somit waren das Haus von Fels und das Haus Homburg gleichsam EigentĂŒmer der Burg. Unter Johann II. erreichte die Ortschaft Fels einen wirtschaftlichen Aufschwung. Am 25. MĂ€rz 1343 erhielt Fels von Johann dem Blinden, König von Böhmen und Graf von Luxemburg, die Einwilligung vier WebstĂŒhle in Fels aufzustellen. Dieser Akt scheint zu der Zeit von gröĂter Wichtigkeit, da die Einwohner anderer Ortschaften gezwungen waren, sich einen einzigen Webstuhl zu teilen.[4]
Johann II. starb 1359 ohne Nachkommen und so erlosch mit ihm die erste Linie der Dynastie von Fels. Sein Tod fĂŒhrte zu einem Erbfolgestreit zwischen seinen Erben, Friedrich und Conrad von Homburg. Diese forderten einen groĂen Teil des Besitzes. Auf Johann II. folgte sein Vetter Johann III., letzter Spross der Ă€lteren Linie der Dynastie von Fels und Sohn von Johann I. und Jutta von Reuland. Johann III. sicherte so den Fortbestand dieser Linie. Johann IV. auch Johann der JĂŒngere genannt, Sohn von Johann III. und Lucien von Walram wurde nach dem Tod von Johann III. neuer Burgherr. Johann der JĂŒngere kĂ€mpfte an der Seite Wenzels I., Herzog von Luxemburg. König Wenzel II., schlichtete spĂ€ter zwischen den BrĂŒdern Johann dem JĂŒngeren und Friedrich von der Fels und dem Grafen Arnold von Homburg einen Streit, der ĂŒber ihre WohnstĂ€tten innerhalb der Burg Fels entstanden war. Infolge finanzieller GeschĂ€fte zwischen Johann dem JĂŒngeren und Arnold von Pittingen wurde letzterer Hauptbesitzer eines neuen Palas innerhalb des Schlosses. Arnold lieĂ eine Kapelle errichten, die am 13. Juli 1386 dem heiligen Petrus von Mailand geweiht wurde. Dieser Palas gelangte durch die VermĂ€hlung seiner Tochter Irmgards von Pittingen mit Johann von Criechingen (CrĂ©hange) in den Besitz der Herren von Criechingen. Ein Familienpakt zwischen dem Hause von Fels, von Homburg und von Manderscheid löste zahlreiche Erbfolgen und Teilungen zwischen den Familien derer von Fels, von Homburg, von Pittingen, von Criechingen usw. aus. Durch diese Teilungen verfiel die Burg mehr und mehr. Im Jahr 1399, unter der Herrschaft Johann V., wurde ein zweiter Familienpakt, der sogenannte âBurgfriedenâ unterzeichnet. Dieser wurde bereits 1415 ergĂ€nzt. Johann V. heiratete Elsa von Heffingen und dessen Ă€ltester Sohn Georg I. trug den Namen Herrn von Fels-Heffingen. Jedoch besaĂ Georg I. nach den zahlreichen Teilungen nur noch 2/16 von Burg Fels. Georg II. von Fels-Heffingen und von Contern, Enkel Georgs I., versuchte 1534 nach dem Tod seines Vaters Arnold VI., vergeblich die Ehre und Macht der alten Feudalherren von Fels zu restaurieren. Doch schon wenige Jahre nach seinem Tod, zerstörte 1565 eine Feuersbrunst die Burg Fels restlos.[5]
Oswald von Fels-Heffingen, Georgs II. Sohn, der nur einige Anteile der Burg besaĂ, versuchte die Ruinen der Burg aufzukaufen, die beim Brandt zerstört worden waren. Sein rascher Tod vereitelte dieses Vorhaben. Sein Bruder Paul von Fels-Heffingen und von Mersch fĂŒhrte das Werk Oswalds fort. Sein Vorhaben wurde durch die groĂe Zahl an Mitbesitzern verhindert und die Burg Fels blieb eine Ruine. Trotz aller Anstrengungen der weiteren Erben von Fels, gelang es keinem diese wieder aufzubauen. Die Burg Fels fiel anschlieĂend SteinrĂ€ubern zum Opfer.[5]
Die Homburger
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Ă€lteste Teil der Burg ist das Homburger-Haus. Dies lĂ€sst sich Dokumenten entnehmen, die besagen, dass die beiden Schwestern von Johann II., Irmgard und Mathilde, die BrĂŒder Graf Friederich und Graf Conrad von Homburg zwischen 1338 und 1345 heirateten. Diese wurden durch die Hochzeit zu den neuen Burgherren. Der Bau des Homburger Hauses erfolgte wohl in den 1340er Jahren. Das Haus selbst bestand wahrscheinlich aus zwei Teilen, fĂŒr jedes der Ehepaare einer. Das Homburger Haus fiel 1565 einem GroĂfeuer zum Opfer und wurde noch nicht wiederaufgebaut.

Die Chriechinger
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Chriechinger-Haus ist das einzige Haus, das bisher komplett restauriert wurde. Es besteht aus drei Etagen und einem Keller. Das Treppenhaus zĂ€hlt fĂŒnf Etagen mit mehreren kleineren Kammern. An der östlichen Seite befindet sich ein hölzerner Anbau auf der Höhe des ersten Stocks. Im Erdgeschoss befindet sich die BĂ€ckerei und die KĂŒche der Burg. Besonders interessant am Backofen ist, dass der Dampf nicht direkt durch den vertikalen Kamin verschwindet: der Kamin macht auf halbem Weg eine Biegung und verlĂ€uft dann horizontal nach auĂen. Genau ĂŒber diesem horizontalen Teil des Kamins war die Schlafecke des Hausherrn. In der KĂŒche befindet sich auĂerdem ein Brunnen von zwei Meter Durchmesser. Ăber diesen Brunnen existiert die sogenannte Chriechinger Legende.
Die Burg Fels im 20. und 21. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Burg Fels und der gesamte Komplex wurde 1979 vom Luxemburger Staat aufgekauft und anschlieĂend wurden eine Vielzahl von gröĂeren Restaurierungs- und Konsolidierungsarbeiten durchgefĂŒhrt. Diese MaĂnahmen wurden durch photogrammetrische Aufnahmen und archĂ€ologische Untersuchungen ergĂ€nzt.[6] Im Herbst 1990 fegten heftige StĂŒrme ĂŒber das GroĂherzogtum hinweg, diese erlegten nahezu den gesamten Baumbestand auf dem Elsebeth-Plateau, auf dem sich die Burg befindet. So wurden bei einer Ortsbegehung in der NĂ€he der ehemaligen Burgkapelle in mehreren freiliegenden Wurzelstöcken menschliche Knochenreste und einige gut erhaltene SchĂ€del entdeckt.[7] Noch heute werden Ausgrabungen auf dem Burgkomplex unternommen. Heute wird der schöne, restaurierte Komplex von etwa 25.000 Besuchern jĂ€hrlich besucht und in den RĂ€umen des Criechinger Hauses werden Ausstellungen gezeigt. Die Burg Fels war und ist das Wahrzeichen der kleinen Luxemburger Gemeinde Fels.
SekundÀrliteratur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Les ruines du chĂąteau de Larochette. In: Luxemburger Wort, 1. Dezember 1891, S. 2.
- Victor Dasburg: Le chùteau fort de Larochette: Guide touristique pour la visite des ruines des anciens chùteaux féodaux de Larochette. Fr. Faber, Mersch 1947.
- Joseph Heintz: Larochette-Fels-FiĂšls: Die mĂ€chtige Hochburg Fels. In: Heimat und Mission, 8/9, [s. l.] 1984, S. 166â176.
- Jules VannĂ©rus: La famille Schramm de Larochette, Ons HĂ©mecht: Organ des Vereins fĂŒr Luxemburger Geschichte, Litteratur und Kunst, 27e a., cah. 1-2 (1er janvier-fĂ©vrier 1921), Sankt Paulus-Druckerei, Luxembourg 1921, S. 16â22.
- John Zimmer: Die Burg Fels: Ihre Baugeschichte (éd. Les amis du chùteau de Larochette), Sankt Paulus-Druckerei, Luxembourg 1990.
- John Zimmer: Zu den Ausgrabungen auf Burg Fels, 40iĂšme anniversaire de la chorale SĂ€ngerfĂ«nn, Sankt Paulus-Druckerei, Luxembourg 1990, S. 172â175.
- John Zimmer: Die Burgen des Luxemburger Landes (Ă©d. Les amis du chĂąteau de Larochette, Les amis de lâancien chĂąteau de Beaufort, Amis du chĂąteau de Bourscheid, Amis du chĂąteau de Vianden) Bd. 3, Sankt Paulus-Druckerei, Luxembourg 1996, S. 76â82.
Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Arnold, seigneur de Larochette, et Jutta, sa femme, aussi Jean, leur fils, font donation Ă la chapelle de St. Quirin, au chĂąteau de Larochette, de leurs biens sis Ă Wies prĂšs dâEchternach, Archives nationales Luxembourg, In section Ancienne: cote: A-LII n°282, 26/03/1341.
- Bernhart, seigneur de Larochette, Jean de Larochette, curé à Linster, et Arnolt de Larochette, frÚres, procÚdent de commun accord au partage des successions pater- et maternelle. Bernhard obtient le chùteau de Larochette, avec seigneurerie, biens fiefs et le bannergut etc., aussi Lymerscheit, Archives nationales Luxembourg, In section Ancienne, cote: A-LII n°2198, 15/12/1490.
- Contrat de mariage entre Henri de Larochette et Aleidis dâAutel, Archives nationales Luxembourg, In section Ancienne: cote: A-LXV-6-126/1, 12/11/1425.
- George, baron de Criechingen et de Pittingen, maréchal héréditaire du duché de Luxembourg et du comté de Chiny, déclare avoir été en procÚs avec son cousin, feu Wirich, baron de Crichingen et de Pittingen, conseiller, justicier des nobles et chevalier, au sujet entre autres de la seigneurie de Larochette, Archives nationales Luxembourg, In section Ancienne: cote: A-LII n°3448, 13/01/1589.
- Henri de Larochette, chevalier, seigneur de Schengen, promet à Jean et à Pierre, frÚres, seigneurs de Larochette, ses neveux, de leur vendre tous ses droits au chùteau de Schengen aux villages de Burren et de Besch avec dépendances, Archives nationales Luxembourg, In section Ancienne: cote: A-LII n°863, 05/11/1390.
- Henri de Larochette, chevalier, seigneur de Schengen, déclare avoir fait un partage avec Jean, seigneur de Larochette, son neveu; il abandonne à celui-ci tous ses droits indivis sur le chùteau et la seigneurie de Rulant avec dépendances, sur les dßmes de Uren, de Roitzscheit, le village de Herburen, Archives nationales Luxembourg, In section Ancienne: cote: A-LII n°943, 17/07/1395.
- Jean, archevĂȘque de TrĂšves, dĂ©clare avoir donnĂ© en fief Ă Arnold de Larochette en son nom et celui de Jean, son frĂšre, la moitiĂ© du chĂąteau de Siedlingen, une part du village du mĂȘme nom et de ceux de Paltzel et Nennich, Archives nationales Luxembourg, In section Ancienne, cote: A-LII n°3013, 29/08/1558.
- Larochette, Archives nationales Luxembourg, In section Ancienne: cote: A-XLIX-13, 19/10/1433.
- Larochette, Archives nationales Luxembourg, In section Ancienne: cote: A-XLIX-13, 10/03/1710.
- Paul de Larochette et Appollonie de Kerpen, sa femme, seigneur et dame de Larochette, Heffingen et Mersch, lui bailli à Remich et à Grevenmacher, déclarent avoir amodié à Adam Dhame de Larochette, leur maison et chùteau de Larochette, Archives nationales Luxembourg, In section Ancienne: cote: A-LII n°3548, 15/04/1598.
- Sentence du conseil provincial de Luxembourg dans une affaire entre paul de Larochette, seigneur de ce lieu et de mersch, demandeur, contre les communs habitants de Beringen, Moesdorf et Gladbach; ceux-ci sont condamnés à coopérer par des corvées à la reconstruction du chùteau de Mersch, Archives nationales Luxembourg, In section Ancienne: cote: A-LII n°3298, 14/07/1576.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â John Zimmer: Zur Wahl des Burgbauplatzes an den Beispielen von Luxembourg, Vianden, Befort und Fels. In: ChĂąteau Gaillard, XVIII, Actes du colloque international tenu Ă Gilleleje (Danemark). Centre de recherches archĂ©ologiques mĂ©diĂ©vales, Caen 1998, S. 265.
- â John Zimmer: Die Burg Fels: Ihre Baugeschichte (Ă©d. Les amis du chĂąteau de Larochette), Sankt Paulus-Druckerei, Luxembourg 1990, S. 11.
- â John Zimmer: Die Burg Fels: Ihre Baugeschichte (Ă©d. Les amis du chĂąteau de Larochette), Sankt Paulus-Druckerei, Luxembourg 1990., S. 12.
- â John Zimmer: Die Burg Fels: Ihre Baugeschichte (Ă©d. Les amis du chĂąteau de Larochette), Sankt Paulus-Druckerei, Luxembourg 1990., S. 13.
- 1 2 John Zimmer: Die Burg Fels: Ihre Baugeschichte (éd. Les amis du chùteau de Larochette), Sankt Paulus-Druckerei, Luxembourg 1990, S. 14.
- â John Zimmer: Die Burg Fels: Ihre Baugeschichte (Ă©d. Les amis du chĂąteau de Larochette), Sankt Paulus-Druckerei, Luxembourg 1990., S. 7.
- â John Zimmer: Die Burgen des Luxemburger Landes (Ă©d. Les amis du chĂąteau de Larochette, Les amis de lâancien chĂąteau de Beaufort, Amis du chĂąteau de Bourscheid, Amis du chĂąteau de Vianden) Bd. 3, Sankt Paulus-Druckerei, Luxembourg 1996, S. 76.
Koordinaten: 49° 47âČ 8âłÂ N, 6° 13âČ 0,5âłÂ O