Bullauer Bild


Das sogenannte Bullauer Bild ist ein Bildstock aus Sandstein nahe Bullau, einem Stadtteil der Stadt Erbach im Odenwald. Er stammt aus der zweiten HĂ€lfte des 16. Jahrhunderts und ist eingetragenes Kulturdenkmal des hessischen Landesdenkmalamtes, Objektnr.: 11048.
Der Bildstock besteht aus zwei Teilen, einem unteren Sockelteil und einem oberen Sockelteil mit Aufsatz. Der Aufsatz ist als fĂŒnfeckige Nische in Hausform gearbeitet. Er gehört damit zu einer Reihe an Bildstöcken im Odenwald und an der BergstraĂe, die in dieser Form gearbeitet sind,[1] beispielsweise das Rote Bild bei Michelbuch, das Olfener Bild bei Olfen oder das Eulbacher Bild. Auf dem oberen Sockelteil befindet sich die Jahreszahl 1561.[2] Der Bildstock ist etwa 1,50 Meter hoch.
Mit dieser Datierung gehört das Bild zu den Àltesten Bildstöcken im Odenwald.[3] Nur die Bilder in Ziegelhausen (1478), Breitenbach (1483), das Eulbacher Bild (1513), das Rote Bild (1524) und das zweite Breitenbacher Bild von 1551 sind Àlter.[4]
Die spĂ€te Errichtung von 1561 gibt RĂ€tsel auf. Bildstöcke stehen an sich in römisch-katholischer Tradition. Die Grafschaft Erbach war allerdings spĂ€testens 1540 unter Graf Eberhard XIV. endgĂŒltig evangelisch geworden.[5] Ebenso ungeklĂ€rt ist, was sich in der Nische ursprĂŒnglich befand. Das heute darin befindliche Marienbild ist eine moderne Arbeit.
Es ist nicht ganz sicher, ob der Bildstock an einem von den drei Wallfahrtswegen liegt, die sich einst durch den Odenwald zogen.[6] In diesem Fall kann es derjenige gewesen sein, der von Hirschhorn nach WĂŒrzberg und weiter nach Osten fĂŒhrte,[7] der bekannteste der drei Wallfahrtswege.[8]
Eine Besonderheit des Bildes war, dass es ĂŒber Jahrhunderte von einer mĂ€chtigen Buche umgeben und diese um das Bild herum gewachsen war. Der Stamm des Baumes stĂŒtzte den Bildstock, der sich im Lauf der Zeit und unter dem Wachstum des Baumes nach links neigte. Das hatte zwei Konsequenzen: einmal wurde der Bildstock zwar gestĂŒtzt, durch die Feuchtigkeit des Baumes im unteren Sockelbereich zerbröckelte aber der Sandstein.
Im Jahr 2012 musste die Buche aus SicherheitsgrĂŒnden wegen Pilzbefall gekappt werden. Dabei, vermutlich durch die ErschĂŒtterungen bei den Arbeiten,[9] stĂŒrzte der Bildstock um und der untere Sockelteil zerbrach unwiederbringlich. Der obere Teil mit der Nische wurde nur leicht beschĂ€digt. Die GrundeigentĂŒmer, die Grafen zu Erbach-FĂŒrstenau, lieĂen das Bild zunĂ€chst in Bullau zwischenlagern. Danach wurde es in die Werkstatt eines Steinbacher Bildhauermeisters verbracht, in der Nachbarschaft des Stammsitzes der Grafen zu Erbach-FĂŒrstenau, Schloss FĂŒrstenau. Er fertigte einen neuen Sockel an und restaurierte den oberen Teil. Im November 2013 wurde der Bildstock, ohne vorherige AnkĂŒndigung,[10] wieder an seinem alten Platz aufgestellt.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Friedrich Mössinger: Bildstöcke im Odenwald, Erweiterter Sonderdruck aus âDie Starkenburgâ, BlĂ€tter fĂŒr Heimatkunde und Heimatpflege, Hefte 28 und 29, Heppenheim 1962
- Friedrich Höreth: Geschichte und Geschichten aus dem Odenwald, Band 1, herausgegeben vom Kreisausschuà des Odenwaldkreises, 2. Auflage, Erbach 1983
- Peter Weber: Aus der Geschichte von Stadt und Grafschaft Erbach, Band 2, herausgegeben vom Historischen Verein fĂŒr die Kreisstadt und ehemalige Grafschaft Erbach, Erbach 1989
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Landesamt fĂŒr Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): 'Bullauer Bild'. In: DenkXweb, Online-Ausgabe von KulturdenkmĂ€ler in Hessen.
- Artikel zur Wiedererrichtung aus dem âOdenwĂ€lder Echoâ, mit Bild im aktuellen Zustand.
- Bild auf fotocommunity.de im alten Zustand.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Mössinger: Bildstöcke im Odenwald, S. 23.
- â Mössinger: Bildstöcke im Odenwald, S. 26.
- â Mössinger: Bildstöcke im Odenwald, S. 13.
- â Mössinger: Bildstöcke im Odenwald, S. 13.
- â Weber: Aus der Geschichte von Stadt und Grafschaft Erbach, S. 56.
- â Höreth: Geschichte und Geschichten aus dem Odenwald, S. 142/143.
- â Mössinger: Bildstöcke im Odenwald, S. 13.
- â Höreth: Geschichte und Geschichten aus dem Odenwald, S. 143.
- â OdenwĂ€lder Echo, Ausgabe Samstag, 16. November 2013, S. 13.
- â OdenwĂ€lder Echo, Ausgabe Samstag, 16. November 2013, S. 13.
Koordinaten: 49° 37âČ 25,7âłÂ N, 9° 2âČ 30,1âłÂ O