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Buch Mormon

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Das Buch Mormon

Das Buch Mormon (englisch The Book of Mormon) ist eine religiöse Schrift der nach diesem Buch benannten religiösen Gemeinschaften der Mormonen. Als Verfasser des Buches gilt Joseph Smith. Die Anerkennung dieses Werkes als Heilige Schrift im Schriftenkanon gilt als wesentliches gemeinsames Kennzeichen der verschiedenen mormonischen Gemeinschaften. Das übrige Christentum erkennt das Buch Mormon nicht an. Namensgeber ist ein Prophet namens Mormon, der im Buch selbst als Hauptredakteur des ursprünglichen Berichtes genannt wird. Mit der Erstveröffentlichung des Buches 1830 begann das öffentliche Wirken des Kirchengründers Joseph Smith.

Ein Bild, das nach der Beschreibung von Joseph Smith angefertigt wurde. Er erhält die goldenen Platten von dem Engel Moroni auf dem Hügel Cumorah.

Der Ursprung des Buches Mormon ist zwischen Mormonen und Nicht-Mormonen umstritten. In der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wird der Ursprung, wie er im Buch selbst geschildert ist – ergänzt um den Bericht von Joseph Smith über die Entstehung des Buches Mormon –, als historische Tatsache betrachtet und als unverzichtbarer Teil des Glaubens angenommen und gelehrt. Dennoch existiert eine kleine Gruppe innerhalb der Kirche, die die Annahme, das Buch Mormon sei ein historischer Bericht, nicht für relevant hält.[1]

Etwa seit dem Jahr 2000 ist die zweitgrößte mormonische Gemeinschaft (mit einer Mitgliedschaft von 250.000 im Vergleich zu den ca. 17 Millionen Mitgliedern der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage), die Gemeinschaft Christi, offiziell von der Auffassung abgerückt, das Buch Mormon sei ein historischer Bericht. Die Kirche bezeichnet das Buch als „inspirierte und glaubensstärkende“ Schrift und erkennt damit Joseph Smith als Urheber und Autor des Buches an.

Im Buch Mormon selbst wird dessen Entstehung wie folgt geschildert:

Der etwa 600 v. Chr. aus Jerusalem geflohene Prophet Nephi habe auf Goldplatten einen Bericht über den Umgang Gottes mit seiner Familie angefertigt. Darin wird geschildert, wie Nephi und seine Familie mit Gottes Hilfe per Schiff nach Amerika gelangt seien und wie sich dort aus dieser Gruppe von Menschen ein größeres Volk entwickelt habe. Dieser Bericht, „die kleinen Platten Nephis“, sei bis etwa 130 v. Chr. von Nephis direkten Nachkommen fortgeführt und dann, nach dem Erlöschen der Abstammungslinie, an die politischen bzw. religiösen Führer der damaligen Gemeinschaft übergeben worden. Auf einem zweiten Satz von Platten, den „großen Platten Nephis“, habe Nephi die politische und gesellschaftliche Geschichte seines Volkes niedergeschrieben; dieser wesentlich ausführlichere Bericht sei dann nach Nephis Tod von den Führern der Gemeinschaft fortgeführt worden. Als dritte Quelle gelten die „Platten Ethers“, ein Bericht über ein älteres Volk, das bereits nach dem biblischen Turmbau zu Babel nach Amerika gelangt sei.

Diese Berichte sollen um 400 n. Chr. vom Namensgeber des Buches, dem Propheten Mormon, und danach von dessen Sohn Moroni zusammengefasst, kommentiert und für ihre eigene Zeit ergänzt worden sein. Die kleinen Platten Nephis sowie die Zusammenfassung der großen Platten Nephis und der Platten Ethers habe Moroni dann an einem bestimmten Platz verborgen, um sie für zukünftige Generationen zu bewahren. Nephi, der erste Schreiber des Textes, erwähnt, dass der Bericht in der Sprache seines Vaters verfasst wurde, die sich aus dem Wissen der Juden und der Sprache der Ägypter zusammensetzt.[2] Moroni, der letzte Schreiber, vermerkt im Text, dass der Bericht in „reformiertem Ägyptisch“ (reformed egyptian) verfasst wurde.[3]

Joseph Smith schilderte die Entdeckung der Platten folgendermaßen:

Moroni sei ihm 1823 als Engel erschienen, habe ihm von diesen Aufzeichnungen berichtet und ihm den Ort beschrieben, an dem die Platten verborgen seien. Er, Joseph Smith, habe dann die Platten von einem nahe gelegenen Hügel, der später Cumorah genannt wurde, entnehmen dürfen und – mit einigen Unterbrechungen – mit Hilfe der Sehersteine Urim und Tummim, die sich bei den Platten befunden hätten, ins Englische übersetzt.[4] Nach Abschluss der Übersetzung habe Moroni die Platten wieder an sich genommen.

Nach dem Bericht seines ersten Mitarbeiters, Martin Harris, der für einen kleinen Teil des Buches Mormon, der dann später verloren ging, als Schreiber fungierte, soll Joseph Smith zeitweise hinter einem aufgehängten Tuch das Buch diktiert haben. Alle sonstigen Mitarbeiter berichteten nicht mehr von dem Tuch. Joseph Smith selbst gab an, er habe die Platten „durch die Gabe und Macht Gottes“ übersetzt.[5] Zeugen, die bei der Übersetzung anwesend waren, berichteten, dass er zeitweise Übersetzungsinstrumente benutzte, die ihm bei der Arbeit behilflich waren. Zu diesen gehörten die „Übersetzer“, genannt „Urim und Tummim“, zwei durchscheinende Steine, die von einem Metallbügel zusammengehalten wurden, sodass man durch sie durchschauen konnte. Joseph Smith hatte sie zusammen mit den Platten erhalten. Ein weiteres Übersetzungswerkzeug war der „Seherstein“, den er unter anderem in einen Hut legte und dann hineinblickte. Joseph Smith hatte diesen in seiner Jugend gefunden und damit früher verlorene Sachen aufgespürt.[6] Heute gilt als sicher, dass der größte Teil von Oliver Cowdery aufgeschrieben wurde, während Emma Smith, Martin Harris und möglicherweise noch andere kurzzeitig für Joseph als Schreiber des Buches Mormon tätig waren.[7]

Zu Beginn der Übersetzung gab es einen bedeutsamen Zwischenfall mit Martin Harris, einem wohlhabenden Nachbarn und Unterstützer von Joseph Smith, der ihm zu Beginn auch als Schreiber diente. Dieser bat Joseph Smith eindringlich, ihm das bisher übersetzte Manuskript zu überlassen, damit er es seiner Frau zeigen könne, die mit seinem, Harris’, Engagement nicht einverstanden war. Nach anfänglichem Zögern überließ ihm Joseph Smith das 116-seitige Manuskript, das zu diesem Zeitpunkt im Wesentlichen das „Buch Lehi“ umfasste. Bei Martin Harris ging der Text verloren. Joseph Smith gab in weiterer Folge an, Gott habe ihm geboten, diese Seiten nicht noch einmal zu übersetzen, da Menschen mit schlechten Absichten das ursprüngliche Manuskript verändert hätten und dann auf die Diskrepanz hinweisen würden.[8] Diese Episode wird seither als Beweis angeführt, er habe gar nicht wirklich übersetzt, da er nicht in der Lage gewesen sei, den ursprünglichen Text zu reproduzieren.

Nachdem Joseph Smith nach eigenen Angaben vorübergehend die Fähigkeit, den Text von den Platten zu übertragen, verloren hatte, begann er im Jahr 1829 erneut mit der Niederschrift. Beinahe der gesamte Text des jetzigen Buches Mormon wurde in diesem Jahr in drei Monaten, von April bis Juni, verfasst.[9] Nach Anfertigung einer weiteren Abschrift für die Druckerei wurde das Buch Mormon Anfang 1830 bei Egbert Grandin and Company in Palmyra, New York gedruckt und im März 1830 veröffentlicht. Diese Erstauflage umfasste 5.000 Exemplare und wurde von Martin Harris finanziert. Die noch existierenden Exemplare der Erstauflage sind heute Sammlerstücke.

Gliederung des Buches

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Textbeispiel im Buch Mormon

Das Buch Mormon ist ähnlich der Bibel in einzelne Bücher eingeteilt; anders als in der Bibel ist jedoch der Zusammenhang der einzelnen Bücher etwas enger. Es besteht aus folgenden Büchern:

  • Das erste Buch Nephi
  • Das zweite Buch Nephi
  • Das Buch Jakob
  • Das Buch Enos
  • Das Buch Jarom
  • Das Buch Omni
  • Die Worte Mormons
  • Das Buch Mosia
  • Das Buch Alma
  • Das Buch Helaman
  • Das dritte Buch Nephi
  • Das vierte Buch Nephi
  • Das Buch Mormon
  • Das Buch Ether
  • Das Buch Moroni

Bei den Büchern „Erster Nephi“ bis „Omni“ handelt es sich nach eigener Darstellung des Buches um die direkte Übersetzung der vorchristlichen „Kleinen Platten Nephis“ durch Joseph Smith; Smith soll diese erst nach Fertigstellung der anderen Bücher übersetzt haben, um das fehlende „Buch Lehi“ (siehe oben) zu ersetzen. Die Bücher „Mosia“ bis „Vierter Nephi“ sollen die von Mormon ca. 400 n. Chr. angefertigte Zusammenfassung der „Großen Platten Nephis“ sein (wobei die ersten 116 Seiten der „Großen Platten“, welche das „Buch Lehi“ ausmachten, heute fehlen; siehe oben). Die „Worte Mormons“ und das Buch „Mormon“ sollen von Mormon ungefähr zu dieser Zeit selbst verfasst worden sein. Das „Buch Ether“ soll die von Mormons Sohn Moroni zwischen 400 und 420 n. Chr. angefertigte Zusammenfassung der „Platten Ethers“ sein, und das „Buch Moroni“ soll – mit Ausnahme der darin enthaltenen Briefe Mormons an Moroni – von Moroni ungefähr um 420 n. Chr., als Mormon bereits tot war, selbst verfasst sein. Alles von „Die Worte Mormons“ bis „Das Buch Moroni“ soll also von Mormon und Moroni niedergeschrieben und von Smith ins Englische übersetzt worden sein.

Eine Darstellung der Vision vom Baum des Lebens bei einer Nachspielung bei den Hügel-Cumorah-Festspielen.

Das Buch berichtet von einem Propheten namens Lehi (Nephis Vater), der etwa 600 vor Christus in Jerusalem den göttlichen Auftrag erhielt, mit seiner Familie, der Familie von Ismael und Schriften auf Messingplatten die Stadt zu verlassen und in die Wildnis zu ziehen. Dadurch entgehen sie der Vernichtung der Stadt durch die Babylonier einige Jahre später. Lehis Sohn Nephi übernimmt auf Gottes Geheiß die Führung für den Bau eines Schiffes, mit dem die Gruppe in ein verheißenes Land segelt. Laman und Lemuel, die älteren Brüder von Nephi, lehnen sich auf, während Nephi und seine weiteren Brüder den Lehren ihres Vaters treu bleiben. Nach dem Tod des Vaters Lehi kommt es zum völligen Bruch, der zur Bildung von zwei verfeindeten Völkern führt, den Nephiten und den Lamaniten[10], die sich immer wieder bekriegen. Nephi ist der erste Prophet der Nephiten. Er zitiert und erläutert Jesaja ausführlich.

Im weiteren Verlauf werden die wechselnden Beziehungen dieser Völker, ihre Wanderungen, Missionsbemühungen, Kriege, politischen Streitigkeiten usw. geschildert. Dabei werden ausführlich die Zeiten

  • von etwa 600 bis etwa 550 v. Chr.,
  • von etwa 130 v. Chr. bis etwa 40 n. Chr. und
  • von etwa 320 bis etwa 420 n. Chr.

geschildert, während sich für die Perioden dazwischen (550 bis 130 v. Chr. und 40 bis 320 n. Chr.) nur knappe Angaben finden.

Im weiteren Verlauf treffen die Nephiten auf ein weiteres Volk, das von Flüchtlingen um Mulek, einen Sohn von Zidkija, König in Jerusalem zur Zeit der Zerstörung der Stadt durch die Babylonier, abstammt. Die beiden Gruppen vereinigen sich.

Höhepunkt des Berichtes ist der Besuch des auferstandenen Jesus Christus bei den Nephiten um 33 n. Chr. Der Heiland habe dort unter anderem die wesentlichen Teile der Bergpredigt wiederholt, ein zweites Mal das Abendmahl gestiftet und seine Kirche organisiert.

Rund zwei Jahrhunderte leben die vereinten Nephiten und Lamaniten nach den Grundsätzen der Bergpredigt in vollkommenem Frieden. Das Verlassen dieser Grundsätze führt schließlich zu einer erneuten Trennung in Nephiten und Lamaniten und einem hasserfüllten, blutigen Krieg, in dem die Nephiten schließlich völlig vernichtet werden. In den letzten Kriegsjahren treten Mormon und sein Sohn Moroni als militärische Befehlshaber und Chronisten auf.

Ein nach Darstellung des Buches von Moroni eingeschobener und kommentierter Teil befasst sich mit der Geschichte eines viel älteren Volkes, der Jarediten, das Gott nach dem biblischen Turmbau zu Babel in das verheißene Land geführt habe. Missachtung göttlicher Grundsätze hätten auch bei ihnen zu Spaltungen, blutigen Kriegen und, kurz vor der Ankunft der Gruppe um Lehi, zu ihrer vollständigen Vernichtung geführt. Die Aufzeichnungen ihres letzten Propheten, Ether, seien später von den Nephiten gefunden und mit Hilfe des „Urim und Thummim“ übersetzt worden.

Der Plan der Erlösung, wie er im Buch Mormon beschrieben wird.

Im Gegensatz zu den anderen neueren religiösen Schriften präsentiert sich das Buch Mormon in erster Linie als ein geschichtlicher Bericht und nicht ausschließlich als eine Ansammlung von Lehren, moralischen Glaubenssätzen oder religiösen Liedern.[11] Das Buch Mormon enthält Lehren und philosophische Ansichten zu einer Vielzahl von Themen, von Grundthemen des Christentums und des Judentums[12] bis hin zu politischen und ideologischen Anschauungen.

Der Hauptzweck des Buches besteht laut eigener Darstellung darin, in einer Zeit der Verwirrung über die Lehre Gottes hervorzukommen,[13] um „die Wahrheit [der Bibel] zu bestätigen“, „die klaren und kostbaren Dinge“, die im Laufe der Jahrhunderte verlorengegangen sind, erneut an die Öffentlichkeit zu bringen und „allen Geschlechtern, Sprachen und Völkern kund [zu] tun, dass das Lamm Gottes [Jesus Christus] der Sohn des ewigen Vaters und der Erretter der Welt“ ist.[14] Das Buch soll dem „Überrest des Hauses Israel zeigen, was der Herr Großes für seine Väter getan hat […] – auch sollen die Juden und die Anderen davon überzeugt werden, dass Jesus der Christus ist, der ewige Gott, der sich allen Nationen kundtut.“[15] In diesem Sinne beschreibt das Buch Mormon die Versöhnung von Juden und Nichtjuden mit Jesus und berichtet von einer Vielzahl von Visionen und Besuchen bei einigen früheren Einwohnern Amerikas. Am bemerkenswertesten ist das persönliche Erscheinen Jesu nach seiner Auferstehung und sein mehrtägiger Dienst bei der dortigen Bevölkerung.[16] In der Bibel sprach Jesus zu den Juden in Jerusalem von „anderen Schafen“, die seine Stimme hören würden.[17] Jesus erklärt während seines Besuchs in Amerika, dass er damit die Nephiten und die anderen Überreste der verlorenen Stämmen Israels gemeint habe.[18]

Zudem finden sich im Buch Mormon zahlreiche Lehranschauungen zu nachfolgenden Themen (exemplarische Auflistung): die Gottheit[19], das Opfer Jesu Christi[20], der Plan der Erlösung[21], der Sinn des Lebens[22], das Jenseits[23], Gegensätze und Entscheidungsfreiheit[24], Glaube[25], Hoffnung[26], Nächstenliebe[27], Sündenvergebung[28], der Abfall vom Glauben[29], die Wiederherstellung des Evangeliums in den letzten Tagen[30], der Namen der Kirche[31], Propheten[32] und Offenbarung[33], das Priestertum[34], das Gebet[35], heilige Handlungen und Bündnisse[36], Ablehnung der Kindertaufe[37], Ehe und Familie[38], Gehorsam[39], Unterstützung der Armen[40], Amerikanischer Exzeptionalismus[41], Verhalten bei kriegerischen Auseinandersetzungen[42], Pazifismus[43], uvm.

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