Bromoniumion
Als Bromoniumion wird in der Organischen Chemie eine Verbindung bezeichnet, die ein positiv geladenes Bromion enthält.[1] Der erste Schritt der Addition von Brom an ein Alken führt normalerweise zu einem Bromoniumion:[2]

Das Bromoniumion ist stabiler und wird bevorzugt gebildet, da es im Gegensatz zum elektronenarmen Carbeniumion ein Elektronenoktett besitzt. Das Bromoniumion erklärt auch, weshalb die Bromierung als anti-Addition abläuft. Durch die starre Struktur des Bromoniumions kann das Bromid ausschließlich auf der Rückseite angreifen und es entsteht hier das trans-Produkt.[2]
Im Falle von Phenylsubstituenten bilden sich bei der Bromierung im ersten Schritt sowohl Bromonium-Ionen wie auch Carbeniumionen:

Das Carbeniumion ist durch das aromatisches System des Phenylsubstituenten stabilisiert und das Bromoniumion nicht mehr klar energetisch bevorzugt. Es bilden sich beide Ionen, das Carbeniumion kann vom Bromid von beiden Seiten angegriffen werden und deshalb erhält man hier ein Isomerengemisch aus dem cis- und dem trans-Produkt.[3] Ähnliches passiert auch bei der Bromierung von 1,3-Butadien. Dabei entsteht statt eines cyclischen Bromoniumions ein resonanzstabilisiertes (Brommethyl)-Allyl-Kation.[2]
Davon abgesehen, treten Bromoniumionen R(R')Br+ sehr selten auf, da die Bromatome in Bromwasserstoff und Bromalkanen schlechte Nucleophile sind und auch wenig dazu neigen, Protonen aufzunehmen (bzw. ein Elektronenpaar abzugeben). Beides wären weitere mögliche Mechanismen zur Bildung eines Bromoniumions.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Brockhaus ABC Chemie, VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig 1965, S. 205.
- 1 2 3 K. Peter C. Vollhardt, Neil E. Schore: Organische Chemie. 6. Auflage. Wiley-Vch, Weinheim 2020, ISBN 978-3-527-34582-3, S. 609–610, 726.
- 1 2 Joachim Buddrus: Grundlagen der Organischen Chemie, 4. Auflage, de Gruyter Verlag, Berlin, 2011, S. 166–167, ISBN 978-3-11-024894-4.