Bombarde (Orgel)
Als Orgelregister bezeichnet die Bombarde in den allermeisten FĂ€llen ein langbechriges Zungenregister â meist zu finden im Pedal in 16âČ-Lage, bei groĂen Orgeln auch in 32âČ-Lage, dann wird die Registerbezeichnung oft mit dem PrĂ€fix âKontraâ versehen. Die Bombarde wird allgemein mit trichterförmigen Metallbechern gebaut; oft wird aber die Kontrabombarde 32âČ aus finanziellen GrĂŒnden mit Holzbechern ausgefĂŒhrt. Im deutschen Orgelbau hat sich die Bezeichnung Pommer durchgesetzt.
Klang
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Renaissance bezeichnete Bombarde ein Doppelrohrblattinstrument. Wie jedes Zungenregister besitzt die Bombarde einen durchsetzungsfĂ€higen und wenig mischungsfĂ€higen Klang mit vielen Obertönen. Jedoch gibt es bei spĂ€tromantischen Orgeln auch durchschlagende, mischungsfĂ€hige Bombarden, welche sich in jedem Tutti gut integrieren und die labialen 16-FuĂ-Stimmen unterstĂŒtzen. Die musikalische Aufgabe der Bombarde ist die Herstellung eines tragfĂ€higen Fundaments fĂŒr den Bass. Im Unterschied zu den kurzbechrigen Regal-Registern ist der Klang sonor, schmetternd und festlich. KlangĂ€hnlichstes Orgelregister ist die etwas schwĂ€chere, Ă€hnlich verwendete Posaune. Abgesehen von Hochdruckregistern und Horizontaltrompeten, ist die Bombarde die lauteste Einzelstimme einer Orgel.
Verwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die ersten Bombarden sind im ausgehenden 16. Jahrhundert im franco-flĂ€mischen Orgelbau nachweisbar.[1] Im selben Zeitraum bauten niederlĂ€ndische Orgelbauer unter dem Namen âPommerâ das Register in norddeutschen Orgeln, spĂ€ter jedoch nicht mehr. Ende des 17. Jahrhunderts setzten Eugenio Casparini und Zacharias ThayĂner es in Mitteldeutschland und Schlesien ein.[2] Im Barock wurden in Frankreich und Italien Bombarden sowohl als Hauptwerkzungen wie auch als Pedalzungen gebaut; sĂŒddeutsche Barockorgelbauer ersetzten gerne die sonst ĂŒbliche Posaune 16âČ durch eine Bombarde 16âČ. Im Allgemeinen wurden die konischen Schallbecher aus Zinn gefertigt, wĂ€hrend die Familie Silbermann im Elsass fĂŒr die Pedalbombarde Holzbecher bevorzugte.[3]
In der Romantik wurde sie in Deutschland kaum noch verwendet, ab der Mitte des 19. Jahrhunderts auch mit durchschlagenden Zungen, in Frankreich hingegen immer hĂ€ufiger, als 16âČ-Zunge im Hauptwerk, Schwellwerk, Solo und Pedal, bis hin zur legendĂ€ren, von Aristide CavaillĂ©-Coll gebauten Contre-Bombarde 32âČ. WĂ€hrend die Bombarde im 20. Jahrhundert in Frankreich die gĂ€ngige 16âČ-Zunge blieb, verschwand sie in der deutschen Orgelbewegung fast völlig, breitete sich aber in anderen LĂ€ndern wie Italien und den USA aus. In den Niederlanden, Skandinavien und Norddeutschland konnte sich die Bombarde nie wirklich durchsetzen. Typische französische Pedalbombarden (32âČ und 16âČ) werden und wurden in Deutschland trotz der groĂen Begeisterung fĂŒr die Pedale von CavaillĂ©-Colls Orgeln kaum gebaut. Im deutschsprachigen Raum baute zunĂ€chst die Firma Rieger Orgelbau als einzige Werkstatt konsequent in kleineren Orgeln eine Bombarde 16âČ und zusĂ€tzlich in groĂen eine Kontrabombarde 32âČ ein. Aktuell werden in groĂen Orgeln eine Bombarde 32âČ und, anstatt einer Bombarde 16âČ, eine etwas schwĂ€chere Variante, eine Posaune 16âČ, disponiert.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Roland Eberlein: Orgelregister. Ihre Namen und ihre Geschichte. 3. Auflage. Siebenquart, Köln 2016, ISBN 978-3-941224-00-1, S. 59â62.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hörbeispiel einer 16âČ Bombarde (MP3; 115 kB)