Blondine

Eine Blondine ist eine Frau mit blondem Haar. Blonde Frauen entsprachen ĂŒber die Epochen hinweg stets einem besonderen Schönheitsideal. In den Kulturen der westlichen Welt existieren zahlreiche Blondhaarigenstereotype.
Etymologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das alte französische Wort entstammt einem mittellateinischen blundus, das vermutlich auf ein nicht mehr belegtes germanisches Wort zurĂŒckgeht, wie der altenglische Ausdruck blondenfeax fĂŒr âgrauhaarigâ nahelegt.[1][2] Um etwa 1700 wurden die Wörter blond, Blondine aus dem Französischen (blonde, blondine) ins Deutsche ĂŒbernommen. Goethe benutzte es allerdings noch im Sinne von Albino.[3] Das Wort Blondin kam nach 1914 auĂer Gebrauch.
Kulturgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Blonde Frauen entsprachen ĂŒber die Epochen hinweg einem besonderen Schönheitsideal. Die Assoziationen zur blonden Frau unterliegen zugleich einem kulturhistorischen Wandel. In der Gegenwart wird der Begriff zuweilen auch in pejorativer Weise verwendet (Witze, die stereotyp auf der angeblich beschrĂ€nkten Intelligenz von Blondinen beruhen, sind als sogenannte âBlondinenwitzeâ im deutschen Sprachraum verbreitet). Die GrĂŒnde dafĂŒr sind vor allem (sozial-)psychologischer und ethologischer, aber auch kulturhistorischer Natur, wobei fĂŒr die Moderne insbesondere die Geschichte des Films und spĂ€ter der elektronischen Medien entscheidende Hinweise liefern. Gleichzeitig haben diese Medien zur weltweiten Popularisierung von Blondinentypen beigetragen.
Altertum
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Die besondere WertschĂ€tzung von Blondinen ist keine moderne Erscheinung, denn schon bei den alten Ăgyptern hat es dieses Schönheitsideal vor allem bei höhergestellten Frauen gegeben. Im alten Ăgypten faszinierte das blonde Haar, denn die vorherrschende Haarfarbe war Schwarz. Es gab unter den alten Ăgyptern aber auch Menschen mit blonden Haaren. Sie stammten nicht aus dem Nildelta, sondern vermutlich aus dem Gebiet des Kaukasus.
In Nordafrika gab es sogar legendĂ€re blonde Völker, etwa die Garamanten SĂŒdlibyens, wohl Berber, die, wie PalĂ€oanthropologie und genetische Forschungen ergaben, als Volk aus Europa zurĂŒckgewandert waren und von dort Erbanlagen fĂŒr blondes Haar mitgebracht hatten, ebenso wie die Vorfahren der Tuareg und der Guanchen, von denen man annimmt, dass sie ebenfalls aus Europa kamen und wahrscheinlich zu den Cro-Magnon-Menschen gehört hatten.[4]
Schon die alten Ăgypter verwendeten Mittel und Techniken zum HaarefĂ€rben. Sowohl die eigenen Haare als auch PerĂŒcken fĂ€rbte man blau, grĂŒn, aber auch blond und rotblond. Um blonde Farbtöne zu erreichen, wurde Goldstaub verwendet. Das Haar galt im Altertum oftmals als schönster Schmuck der Frau wie auch des Mannes. Deshalb wurde mit diesem viel Aufwand betrieben. Nofretete, die Gattin des Pharao Echnaton, hatte eine groĂe Leidenschaft fĂŒr PerĂŒcken und besaĂ eine ganze Kollektion.
Antike
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Bei den Griechen galt blond als âgöttliche Haarfarbeâ. Ihre Götter stellten die Griechen mit blonden Haaren dar, wie Farbreste und Reste von Gold an griechischen Statuen beweisen, die nicht so weiĂ gewesen sind, wie man sie heute in den Museen sieht, sondern wie die Tempel bunt bemalt. Ăhnliche Tempel finden sich in Ăgypten, wo solche Bemalungen wegen des WĂŒstenklimas teils bis heute erhalten sind, z. B. bei Abydos am Tempel Ramses II. oder Sethos I.[5] Die mythologische Helena, die als schönste Frau der Welt galt, war blond. Sie war der Streitgegenstand, der zum Ausbruch des Trojanischen Krieges fĂŒhrte.
Auf ihren KriegszĂŒgen raubten die Römer den NordeuropĂ€erinnen ihre hellen Zöpfe oder kauften die Haare und fertigten PerĂŒcken daraus. In Ovids âLiebesgedichtenâ[6] erscheinen deshalb die Verse:
- âWirst nun gefangenes Haar fernher von Germanien holen,
Ein unterworfenes Volk leiht dir nun Deckung und Schmuckâ
Die Römerinnen begannen, sich die Haare blond zu fĂ€rben oder sich blonde PerĂŒcken anfertigen zu lassen.[7][8] Andererseits aber wurden Prostituierte in Anspielung auf ebendieselben blonden PerĂŒcken, die sie als berufliche Ausstattung oft trugen, Coma flava (âBlondhaarâ) genannt.
Mittelalter
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Das weibliche Schönheitsideal im Mittelalter war durch hellblonde Locken, blaue, strahlende Augen, eine weiĂe Haut, rosa Wangen und einen eher kleinen, roten Mund geprĂ€gt. Dieses Schönheitsideal spiegelte sich auch in der Kunst wider. Der mittelalterlichen Malerei entsprechend wurden Maria und andere Heilige nicht nur in die jeweils herrschende Mode gekleidet, sondern gehörten auch phĂ€notypisch dem nordeuropĂ€ischen, mitunter also auch dem blonden Typ an und nicht dem mediterran-semitischen. Entsprechend haben vor allem im Hoch- und SpĂ€tmittelalter auf Fresken, Altarretabeln und Andachtsbildern die Dargestellten hĂ€ufig auch blonde oder rotblonde Haare (etwa von Giotto di Bondone, Simone Martini, Guariento di Arpo, Stefan Lochner, Jan van Eyck oder Martin Schongauer).
Neuzeit
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In der Neuzeit findet man, wie zahlreiche einschlĂ€gige GemĂ€lde ausweisen, das blonde Schönheitsideal bei Frauen vor allem in der Renaissance und im Barock (dort auch bei den weiĂ gepuderten AllongeperĂŒcken der MĂ€nner). Möglicherweise spielten dabei vor allem in der an der Antike orientierten Renaissance die damaligen Schönheitsideale eine gewisse Rolle, denn die Madonnen und vor allem die mythologischen Frauengestalten Botticellis sind fast durchweg blond. WĂ€hrend Botticelli um 1485 die blonde Venus malte, trug die Damenwelt in Venedig halboffene HĂŒte, damit die Sonne das Haar bleichen konnte. Weitere Hilfsmittel waren KrĂ€uteressenzen oder gar Taubenmist und Pferdeurin.[9]
Bereits in der Romantik setzte in Deutschland, nicht zuletzt ausgelöst durch die antinapoleonischen Befreiungskriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts, ein intensiver deutscher Nationalismus ein, bei dem man immer stĂ€rker die eigene frĂŒhe Geschichte zu erkunden und zu idealisieren begann. Ein Beispiel fĂŒr die Verehrung des Typus der blonden Frau dieser Zeit ist die Loreley, der Heinrich Heine ein berĂŒhmt gewordenes Gedicht widmete.
â[âŠ] Die schönste Jungfrau sitzet
dort oben wunderbar,
ihr goldnes Geschmeide blitzet,
sie kĂ€mmt ihr goldenes Haar.â
Auch die Nationalallegorie Germania verkörpert den Typus der blonden Frau; allerdings hatten die in der zweiten HĂ€lfte des 19. und im beginnenden 20. Jahrhundert hĂ€ufig produzierten Germaniabilder mit den sanften Frauengestalten der Romantik oder der PrĂ€raffaeliten auĂer den Maltechniken kaum noch etwas gemein. Unvermeidlich kam es dabei zu einer Art ahistorischen Germanenverherrlichung mit stark idealisierendem Trend, eine emotionale und nationale Grundstimmung, die spĂ€ter Otto von Bismarck und andere bei der deutschen ReichsgrĂŒndung 1871 in Versailles zu nutzen wussten. Blond und Germanentum wurden damit auch zum Leitsymbol dieser verspĂ€teten deutschen Nationenbildung. FĂŒr eine Blondine schwĂ€rmte auch Ferdinand Lassalle. Er war verliebt in eine GrĂ€fin, der er versprach, sie zur âgoldlockigen PrĂ€sidentinâ der deutschen Republik zu machen. Auch in alten deutschen Studentenliedern werden mit Liebe und Ehrfurcht blonde MĂ€dchen besungen, so z. B. in dem Lied O wonnevolle Jugendzeit mit Freuden ohne Ende von Otto Kamp, in dem es um die blonde âfilia hospitalisâ geht, aber auch in dem Lied Gold und Silber. Blond ist auch die untreue âschöne MĂŒllerinâ, wie sie von Franz Schubert nach Versen von Wilhelm MĂŒller besungen wird.
20. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im nationalsozialistischen Deutschland mit seinem damit einhergehenden Germanenkult galt die Haarfarbe Blond als gewĂŒnschtes Charakteristikum einer sogenannten âHerrenrasseâ. Dabei blendete man in Bezug auf Frauen den Typus der blonden VerfĂŒhrerin eher aus und konzentrierte sich auf die âgediegene hĂ€usliche Ehefrau und Mutterâ.[10]
47 % aller Titelbilder des US-Magazins âPlayboyâ zeigen Blondinen, 70 % der US-amerikanischen Pornodarstellerinnen sind blond. Psychologen vermuten, dass in den Augen bestimmter Bevölkerungsgruppen die blonde Haarfarbe eine gewisse AttraktivitĂ€t ausĂŒbe, weil Blond eine bei Kindern verbreitete Haarfarbe darstelle und die blonde Frau somit dem Kindchenschema entspreche.[11] Zum anderen wird die AttraktivitĂ€t der Haarfarbe Blond auf deren seltenes Vorkommen zurĂŒckgefĂŒhrt. Der Anteil der Blonden an der Weltbevölkerung betrĂ€gt nur um die zwei Prozent. Allerdings ist in den nördlichen LĂ€ndern Europas die Zahl der blonden Menschen vorherrschend.[12]
Dokumentarfilme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Blond! Blondinen bevorzugt. Dokumentarfilm, Regie: Annette Plomin, NDR. Deutschland 2001.[13]
- Die Farbe Blond â Kulturgeschichte einer Haarfarbe. Dokumentarfilm, Regie: Albert Knechtel, Arte. Deutschland 2006.[14]
- Blondinen bevorzugt â Die groĂen Sexsymbole des 20. Jahrhunderts. Dokumentarfilm, ZDF-History. Deutschland 2012.[15]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ingelore Ebberfeld: Blondinen bevorzugt: Wie Frauen MĂ€nner verfĂŒhren. Eine Kulturgeschichte des weiblichen Balzverhaltens. Westend, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-938060-18-6.
- Anja Heusel: Blondinen bevorzugt? Der Mythos blonder Haare und seine Bedeutung fĂŒr die kosmetische Praxis (= Mode und Ăsthetik. Band 5). dbv Deutscher Buchverlag, Oldenburg 2008, ISBN 978-3-86622-016-4.
- Marco Meier (Hrsg.): Die Blondine. Eine EnthĂŒllung. In: du â Zeitschrift fĂŒr Kultur. Nr. 7. TA-Media, ZĂŒrich 1999, ISBN 978-3-908515-30-2.
- Kathy Phillips: Blond. Glamour, Glanz und helle Köpfe. Aus dem Englischen von Ulrike Becker. Nicolai, Berlin 1999, ISBN 3-87584-817-9.
- Jena Pincott: Warum stehen MĂ€nner auf Blondinen? Wie der Funke ĂŒberspringt â oder auch nicht. Aus dem Englischen von Ursula Bischoff und Christoph Trunk. Goldmann, MĂŒnchen 2009, ISBN 978-3-442-15521-7.
- Siegfried P. Rupprecht: Lexikon der Blondinen. Lexikon-Imprint, Berlin 1999, ISBN 3-89602-215-6.
- Franz Siepe: Die Farben des Eros. Das Schönheitsideal im Wandel der Zeit. Wjs, Berlin 2007, ISBN 978-3-937989-35-8.
- Anne Verlahac (Hrsg.): Blondinen. Edition Braus, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-89904-337-2.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Wiebke Brauer: BerĂŒchtigte Blondinen: Der helle Wahnsinn. In: Spiegel Online. 8. Dezember 2008.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Herman Paul: Deutsches Wörterbuch. 19666, S. ??.
- â Lexikoneintrag: Websterâs Third New International Dictionary of the English Language Unabridged. 3 BĂ€nde. Encyclopedia Britannica, Chicago 1986, S. ??.
- â In einem Brief vom 5. November 1779, siehe Herman Paul: Deutsches Wörterbuch. 5. Auflage. Niemeyer, TĂŒbingen 1966, S. ??.
- â Hermann Baumann: Die Völker Afrikas und ihre traditionellen Kulturen. Teil 1: Allgemeiner Teil und sĂŒdliches Afrika. Steiner, Wiesbaden 1975, S. 97 ff.
- â John Baines, Jaromir MĂĄlek: Weltatlas der alten Kulturen: Ăgypten. Christian, MĂŒnchen 1980, S. 115 und 117.
- â Ovid: Liebesgedichte. 1 14, 45/46; ĂŒbersetzt von R. Harder und W. Marg.
- â Vergleiche H. Fischer: Sapo, Cinnabar und Verwantes. In: ZfdA. Band 48, 1906, S. 400â408.
- â E. Ploss: HaarfĂ€rben und -bleichen. In: GRM. Band 40, 1959, S. 409â420.
- â Albert Knechtel: Die Farbe Blond. Kulturgeschichte einer Haarfarbe. Dokumentation, Arte 2006 (ProgrammankĂŒndigung 2010).
- â Sven F. Kellerhoff: Blond wie Hitler und schlank wie Göring. In: Welt.de. 12. Oktober 2006, abgerufen am 18. Oktober 2019.
- â Matt Ridley: Red Queen: Sex and the Evolution of Human Nature. 2. Auflage. HarperCollins, 2003, S. 293â294 (englisch).
- â Roland Girtler: Mythos und Faszination der Haarfarbe Blond: Kulturanthropologische und kulturethologische Betrachtungen. In: H. Heller: Kulturethologie zwischen Analyse und Prognose. Lit, Wien 2008 (PDF: 164Â kB ( vom 24. Mai 2010 im Internet Archive)).
- â Blond! Blondinen bevorzugt ( vom 18. MĂ€rz 2017 im Internet Archive). In: 3sat.de. Abgerufen am 5. Mai 2020.
- â Die Farbe Blond. In: Programm.ARD.de. 24. Juni 2010, abgerufen am 5. Mai 2020.
- â Blondinen bevorzugt â Die groĂen Sexsymbole des 20. Jahrhunderts. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 5. Mai 2020.