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Autolack

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Roter Autolack im hinteren Bereich eines Pkw

Der Autolack hat, technisch betrachtet, hauptsĂ€chlich die Aufgabe, das Blech von Fahrzeugen vor Korrosion zu schĂŒtzen. DarĂŒber hinaus kommt der Lackierung auch eine Funktion beim Automobildesign zu.

In der Anfangszeit des Automobils war die Lackierung ein langwieriger Vorgang, bei dem eine langsam trocknende FlĂŒssigkeit in mehreren Schichten ĂŒber mehrere Tage oder sogar Wochen auf die Karosserie aufgetragen wurde. Im Jahr 1894 fĂŒhrte Sherwin-Williams mit Q.D. Coach Colors ein neuartiges schnelltrocknendes Produkt ein. Kurze Zeit spĂ€ter folgten speziell angepasste FĂŒller, Lacke und Farben fĂŒr Fahrzeuge, Motoren, Gussteile und GetriebegehĂ€use[1].

UrsprĂŒnglich fanden Naturlacke aus Harz, Leinöl und Terpentinöl als Lösungsmittel Verwendung. 1910 entwickelte Ludwig Berend das erste öllösliche Lackkunstharz, das nach dem Ersten Weltkrieg als Kolophoniumharz wesentlich verbessert (vor allem schneller trocknend) durch die Dr. Kurt Albert GmbH in Mainz-Amöneburg unter dem Namen Albertol produziert wurde.

Mit dem Beginn der Serienproduktion in den 1920er Jahren musste auch die Chemie schneller werden, und die schnell trocknenden Nitrocelluloselacke revolutionierten dann Mitte der 1920er Jahre die Autolackierung weltweit. Diese trockneten zwar schnell, erforderten jedoch eine aufwÀndige Hochglanzpolitur.

Daher wurde 1929 in den USA die ersten Alkydharze auf den Markt gebracht. Bei diesen Lacken entfiel die Politur und sie boten auch schon einen guten Schutz gegen chemische, mechanische und umweltbedingte EinflĂŒsse. Großtechnisch erfolgte die Anwendung in den 1960er Jahren.

Mitte der 1950er-Jahre kombinierte ein amerikanischer Hersteller erstmals schnell trocknende Acryllacke mit hochglÀnzenden Emaille-Lacken und entwickelte den ersten Acryl-Emaille-Lack, welcher die Eigenschaften beider Systeme in sich vereinigte.[2]

In den 1980er und 1990er Jahren wurden hauptsÀchlich 2-Komponenten-Acrylharze als Bindemittel eingesetzt, die mit einem Isocyanat-HÀrter vernetzt eine lange Haltbarkeit, gute Verarbeitung, exzellenten UV-Schutz und hohe BestÀndigkeit z. B. gegen Kraftstoffe, SÀuren, SteinschlÀge etc. auszeichnet.

Gleichzeitig wurden in der Serienproduktion und mittlerweile auch in der Reparatur von Autos Lacke auf Wasserbasis eingesetzt; bisher waren die Harze und Pigmente immer in Lösemitteln gelöst. Durch das Verdunsten der organischen Lösemittel bzw. des Wassers setzen sich Harze und Pigmente ab, bei Zweikomponenten-Systemen werden diese durch Zugabe von HÀrtern (i. d. R. Isocyanaten) vernetzt und bilden eine harte und belastbare OberflÀche.

Seit einigen Jahren werden hier vermehrt Pulverharze eingesetzt.

Beginnend mit 1999 wurde in der EU und Deutschland der Verkauf von Lacken mit hohem Lösemittelanteil (FlĂŒchtige organische Verbindungen) eingeschrĂ€nkt, siehe Decopaint-Richtlinie.

Einkomponentige Systeme wie Nitrolacke und Alkydharz-Lacke trocknen an der Luft und hÀrten dabei aus, zweikomponentige Systeme (z. B. Acrylharz-Basis) nur durch Zugabe von HÀrtern.

Weiter wird unterschieden zwischen ein- und mehrschichtigen Systemen. Beim Einschichtverfahren wird lediglich ein Decklack aufgebracht, welcher mit einem HĂ€rter versetzt ist. Dies ist kostengĂŒnstig, bietet aber nur geringen Schutz gegen UV-Strahlung, mechanische Beanspruchung etc. Daher wird dieses Verfahren im Kfz-Bereich praktisch nicht mehr angewandt. FĂŒr lackierte Metallteile in RĂ€umen haben Decklacke weiterhin ihre Berechtigung.

Beim Mehrschichtverfahren ist das farbgebende Material, der Basislack, eine ungeschĂŒtzte Pigmentschicht, die wie Wasserfarbe trocknet und dabei auch matt wird. Mehrere Schichten Basislack sind möglich, bei Effektlacken sind sie unerlĂ€sslich. Abschließend wird ein i. d. R. zweikomponentiger Klarlack aufgetragen, der eine glĂ€nzende und hochfeste Schutzschicht ĂŒber der Farbschicht bildet. Bei stĂ€rkeren beanspruchten FlĂ€chen sind mehrere Klarlackschichten möglich. Der Klarlack ist vor allem bezĂŒglich UV-Schutz, Kratzfestigkeit und mechanischem Schutz den Einschicht-Systemen deutlich ĂŒberlegen. Metalliclacke sind nur im Mehrschichtverfahren möglich.

Unilackierung oder kurz Unilack wird als Sammelbezeichnung fĂŒr einfarbige Decklackierungen ohne Metalleffektpigmente oder andere Effektpigmente verwendet. Sie wird entweder als einschichtiger Decklack oder als zweischichtiger Lackaufbau aus Basislack und Klarlack durch eine Naß-in-naß-Lackierung aufgetragen.[3]

Roter Autolack war anfÀlliger gegen Verbleichen als alle anderen Farben.[4]

Als Alternative zur teuren und dĂŒnnschichtigen Lackierung wird (z. B. bei Felgen, Fahrwerksteilen, Motorradrahmen) oft auch die Pulverbeschichtung eingesetzt.

Der klassische Aufbau des Lacks sieht so aus:

Bis aufs Blech durchgeschliffener Autolack zeigt den Aufbau
  • ï»żUmgewandelter Rost
  • ï»żMetall
  • ï»żPassiviertes Metall
  • ï»żGrundierung
  • ï»żFĂŒller / Spritzspachtel
  • ï»żFarblack
    1. Vorbehandlung: Die Karosserie wird in verschiedene Phosphatsalzlösungen besprĂŒht oder getaucht. Es bildet sich eine kristalline Metall-Phosphat-Schicht.
    2. Grundierung: Auf das phosphatierte Blech wird eine Korrosionsschutz-Grundierung aufgetragen, die zu einer sehr guten Haftung mit dem Blech fĂŒhrt und damit Korrosion verhindert bzw. verlangsamt. Durch elektrolytische Abscheidung können auch unzugĂ€ngliche Ecken zuverlĂ€ssig grundiert werden. (→ KTL-Beschichtung)
    3. FĂŒller: Der FĂŒller hat die Aufgabe, Unebenheiten im Untergrund „aufzufĂŒllen“, damit diese nicht anschließend in der sehr dĂŒnnen Decklackierung sichtbar werden. Neben dem Abdecken der Rauigkeit schĂŒtzt der FĂŒller die darunterliegende Schicht vor UV-Strahlung und bringt FlexibilitĂ€t fĂŒr den sogenannten Steinschlagschutz.
    4. Basislack: Die farbgebende Schicht, heute in der Regel wasserverdĂŒnnbar und hĂ€ufig mit Effektpigmenten z. B. Metallic, Perleffekt, farbwechselnden Effekten je nach Lichteinfall etc. versehen.
    5. Klarlack: Wird als letzte Schicht aufgetragen und schĂŒtzt den gesamten Aufbau gegen mechanische, chemische und umweltbedingte Belastungen. (→ Acryl-Harze)

    Reparaturlackierung: FĂŒr die Beschichtung werden hier Systeme verwendet, die bei normaler Umgebungstemperatur aushĂ€rten.

    Durch Expansion und Akquisitionen, wie die von Valspar fĂŒr 8,9 Milliarden Dollar[5] und unter anderem Gross & Perthun ist Sherwin Williams nun mit ĂŒber 23 Milliarden Umsatz im Jahr 2023[6] der weltweit grĂ¶ĂŸte Hersteller von Beschichtungslösungen[7]. Die Hauptmarken des Konzerns im Automotive Bereich sind Ultra 9K, DeBeer Refinish,[8] Octoral[9] und Spralac[10]. Weitere bekannte Hersteller von Autoreparaturlacken sind zum Beispiel die Marken Standox, Spies Hecker und Cromax (ehem. DuPont Refinish), die alle zu Axalta Coating Systems (ehem. DuPont Performance Coatings) gehören, Glasurit und R-M, die zum BASF-Konzern gehören, PPG, Nexa (frĂŒher ICI) und Max-Meyer, die zur PPG-Gruppe (ebenfalls USA) gehören, Sikkens und Lesonal, beide Teil der Akzo Nobel-Gruppe (Niederlande), sowie das konzernunabhĂ€ngige Unternehmen Lechler in Italien.

    • Charles E. Oliver: Die Technik der Auto- und Kutschenlackierung. Stuttgart 1930
    • Ernst Schwenk: Eine glĂ€nzende Geschichte. 100 Jahre Automobilbau, 100 Jahre Automobil-Lackierung. Kunstharz Nachrichten, Sonderheft, Frankfurt a. M. 1986
    • Hans-Joachim Streitberger: BASF Handbuch Lackiertechnik By Artur Goldschmidt
    • Anselm: Die Kfz-Reparaturlackierung. Vogel Buchverlag, ISBN 3-8023-1768-8
    • Pavel Svejda: Prozesse und Applikationsverfahren in der industriellen Lackiertechnik, 2003

    Einzelnachweise

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    1. ↑ Geschichte | Sherwin-Williams. Abgerufen am 23. September 2024.
    2. ↑ Geschichte | Sherwin-Williams. Abgerufen am 23. September 2024.
    3. ↑ Eintrag zu Unilackierung. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 14. November 2021.
    4. ↑ zeit.de / Christoph Drösser: „Roter Lack 
 reflektiert die langwelligen Strahlen, die kurzwelligen können daher mit ihrer Energie Unheil anrichten.“
    5. ↑ Handelsblatt. Abgerufen am 23. September 2024.
    6. ↑ Bilanz GUV Sherwin-Williams 2023. Abgerufen am 23. September 2024.
    7. ↑ Akzo Nobel und PPG Industries stĂ€rken ihre GeschĂ€fte mit kleinen Akquisitionen - Farbe und Lack. Abgerufen am 23. September 2024 (deutsch).
    8. ↑ https://www.de-beer.com/de/
    9. ↑ https://www.octoral.com/de
    10. ↑ https://www.spralac.com/opencms/index.jsp