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Altstadt (München)

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Zentrum der Münchner Altstadt mit Marienplatz, Altem und Neuem Rathaus, St. Peter und der Frauenkirche

Die Münchner Altstadt ist der Stadtteil der bayerischen Landeshauptstadt München, der am längsten zu der Stadt gehört, auch wenn einige Orte, die mittlerweile Stadtteile Münchens sind, schon lange vor München urkundlich erwähnt wurden. Die Altstadt bildet zusammen mit dem Stadtteil Lehel den Stadtbezirk Nr. 1 Altstadt-Lehel. Der gesamte Bereich der Altstadt ist sowohl als denkmalgeschütztes Ensemble[1] als auch als Bodendenkmal[2] (archäologisches Denkmal) in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.

Luftbild der Altstadt und des sie umgebenden Altstadtrings Richtung Osten

Der Münchner Stadtteil Altstadt entspricht im Wesentlichen dem Gebiet des historischen Stadtkerns Münchens, also dem Gebiet, das seit dem Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts von der Münchner Stadtbefestigung umgeben war. Sie liegt auf zwei Terrassenstufen der Münchner Schotterebene, der Hirschauterrasse, die das ursprüngliche Hochwasserbett der Isar bildete, und der nur wenige Meter höher gelegenen Altstadtterrasse, auf der die ursprüngliche Stadt gegründet wurde. Die Hangkante verläuft ungefähr entlang der Westseite von Oberanger, Rosental, Viktualienmarkt, Sparkassenstraße und Marstallplatz und trennt den oberen von dem unteren Hofgarten.

Die Grenze der Altstadt wird im Wesentlichen durch den Altstadtring gebildet. Ausnahmen sind im Norden der Verlauf Galeriestraße – Odeonsplatz – Brienner Straße innerhalb des Altstadtrings und im Südosten der Straßenzug Müllerstraße–Rumfordstraße außerhalb des Altstadtrings. Die Altstadt grenzt an vier Stadtteile, die ursprünglich die Fortsetzung der historischen Stadtviertel außerhalb der Stadtmauer darstellten: im Nordosten das Lehel, früher auch St.-Anna-Vorstadt oder äußeres Graggenauer Viertel genannt, im Südosten die Isarvorstadt, früher auch äußeres Angerviertel genannt, im Südwesten die Ludwigsvorstadt, früher auch äußeres Hackenviertel genannt, und im Nordwesten die Maxvorstadt, früher auch äußeres Kreuzviertel genannt.

„Altstadt“ ist in München nicht – wie beispielsweise in Landshut oder Straubing – ein historischer Ortsname zur Abgrenzung gegenüber einer Neustadt. Beschreibend wird der Begriff ab dem 19. Jahrhundert benutzt, um den historischen Stadtkern, also den Bereich innerhalb der ursprünglichen Stadtmauern, von den neu angelegten Vorstädten zu unterscheiden.[3]

Als Toponym wird die Bezeichnung erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg verwendet,[4] als mit der Einführung der Bezirksausschüsse nach Namen für die Münchner Stadtbezirke gesucht wurde, die die frühere Bezeichnung der Stadtbezirke durch Nummern ersetzen oder zumindest ergänzen sollten. Offiziell beschlossen wurde der Name dann 1954 durch den Münchner Stadtrat als Altstadt-Nord für den Zusammenschluss der bisherigen Stadtbezirke 1 und 4 und Altstadt-Süd für den Zusammenschluss der bisherigen Stadtbezirke 2 und 3.

Marienplatz in den 1890er Jahren

Im Zentrum der Altstadt liegt der Marienplatz an der Stelle, an der die überlieferte Geschichte Münchens mit der am 14. Juni 1158 im Augsburger Schied genannten Gründung eines Marktes durch Heinrich den Löwen begann. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war die Geschichte Münchens im Wesentlichen eine Geschichte der Stadt (der heutigen Altstadt), der außerhalb der Münchner Stadtbefestigung gelegene Münchner Burgfrieden spielte demgegenüber eine untergeordnete Rolle. 1255 wurde München Residenzstadt der Wittelsbacher, 1506 Hauptstadt des wiedervereinigten Bayerns, 1806 Hauptstadt des Königreichs Bayern. Diese Rolle als Residenzstadt prägte die Geschichte und das Stadtbild der Münchner Altstadt, die Bürgerschaft konnte sich gegenüber der herzoglichen Stadtherrschaft nur allmählich emanzipieren. So dominieren im Norden der Altstadt die Residenz, die Theatinerkirche und das Nationaltheater das Stadtbild. Das Neue Rathaus am Marienplatz, die Demonstration städtischer Selbständigkeit, stammt erst vom Ende des 19. Jahrhunderts.

Das Gebiet der Altstadt wurde im Zweiten Weltkrieg zu wesentlichen Teilen zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte unter weitgehender Erhaltung der mittelalterlichen Straßenverläufe und der meisten das Stadtbild bestimmenden Großbauten wie der Kirchen, der Residenz, des Nationaltheaters, des Alten Hofs, der Stadttore, soweit sie vor dem Krieg überhaupt noch erhalten waren, sowie des Alten und des Neuen Rathauses. Die bürgerlichen Bauten der Münchner Altstadt, wie sie vor allem durch die Photographien von Georg Pettendorfer dokumentiert sind, sind jedoch weitgehend verloren. Größere Änderungen des Straßenbildes waren vor allem die Räumung des Marienhofs und der Durchbruch vom Rindermarkt nach Süden, die große Plätze anstelle der ursprünglichen engen Straßen schufen. Einen weiteren Eingriff in die Bausubstanz und den Charakter der Altstadt brachte der Bau des Altstadtrings in den 1960er Jahren mit sich. Durch die Anlage einer Fußgängerzone 1972 wurde der Durchgangsverkehr ganz aus der Altstadt herausgenommen.

Der erste Stadtplan Münchens von Tobias Volckmer, 1613, zeigt deutlich die innere Stadt als Halboval und die sie umgebende äußere Stadt mit der keilförmig ins Tal vorspringenden Talstadt sowie die sich am Westende des Marienplatzes kreuzenden Hauptachsen der Stadt.

Eine erste Unterteilung der Stadt erfolgte 1271 durch die Teilung der Pfarrei St. Peter entlang der Ost-West-Achse der Stadt (der Salzstraße) und die Erhebung der Frauenkirche zur zweiten Pfarrkirche.[5] Obwohl das primär eine kirchliche Unterteilung war, diente sie auch in weltlichen Urkunden zur Bezeichnung der Nord- bzw. Südhälfte der Stadt und sogar des außerhalb der Stadt gelegenen Burgfriedens als St. Mariae und St. Petri.

1300 wurde dann erstmals eine Unterteilung in eine innere und eine äußere Stadt urkundlich erwähnt. Innere Stadt bezeichnete dabei die von der ersten Stadtmauer umgebene Kernstadt, die auf die Gründung Heinrichs des Löwen zurückging und daher in der Münchner Stadtgeschichte oft auch als leonische Stadt oder Heinrichsstadt bezeichnet wurde. Äußere Stadt bezeichnete die Stadterweiterungen unter Ludwig dem Strengen und Ludwig dem Bayern, die von der 1300 noch im Bau befindlichen zweiten Stadtmauer umgeben wurde. Die Grenze zwischen innerer und äußerer Stadt verlief etwa entlang der heutigen Straßen Sparkassenstraße, Viktualienmarkt, Rosental, Färbergraben, Augustinerstraße, Schäfflerstraße, Schrammerstraße, Hofgraben. Diese Unterteilung hatte keine administrative Bedeutung. Zwischen beiden Bereichen gab es ein soziales Gefälle, auch wenn die innere Stadt nicht, wie gelegentlich dargestellt wird, nur von Patriziern bewohnt war. Die Unterteilung in innere und äußere Stadt wurde mit der Pfarreinteilung kombiniert, so hieß z. B. die Südhälfte der inneren Stadt „innere Stadt Petri“.

Wichtiger als die Unterscheidung in innere und äußere Stadt war im Mittelalter die heute noch bestehende Aufteilung der Altstadt in Viertel, die durch die Hauptverkehrsachsen Münchens voneinander getrennt waren. Schriftlich erwähnt sind die Viertel erstmals in einer Urkunde vom 21. Januar 1363 unter lateinischen Namen: „quarta fori pecorum“ (Viertel des Rindermarktes, Rindermarktviertel) „quarta secunda ad gradus superioris institarum“ (zweites Viertel zu den oberen Kramen, Kramenviertel), „quarta tercia apud fratres heremitanos“ (drittes Viertel bei den Eremitenbrüdern, Eremitenviertel), „quarta ultima apud Chunradum Wilbrechtum“ (letztes Viertel beim Konrad Wilbrecht, Wilbrechtsviertel). Das Tal wurde als eigener Bereich aufgezählt und nicht den Vierteln zugeordnet.[6] Ein Ratsprotokoll vom 29. Dezember 1458 bezeichnete erstmals drei der Viertel mit den heutigen Namen: das Hackenviertel, das Kreuzviertel und das Graggenauer Viertel. Das erste Viertel hieß weiter Rindermarktviertel, die Bezeichnung Angerviertel wurde erstmals am 15. September 1508 genannt, aber erst ab 1530 in den Ratsprotokollen verwendet. Das Tal war nun kein eigener Bereich mehr, sondern auf die benachbarten Viertel aufgeteilt. Die Reihenfolge der Aufzählung der Viertel blieb gegenüber 1363 unverändert.

Diese Einteilung in Viertel, die für viele mittelalterliche Städte typisch ist, war zunächst eine militärische Gliederung, die dann auf die öffentliche Ordnung ausgeweitet wurde. Die Viertel wurden ursprünglich jeweils von zwei Hauptleuten geleitet, ab 1403 von dreien, je einem aus dem inneren und dem äußeren Rat und von der Gemein. Diese Hauptleute hatten für die innere Sicherheit zu sorgen (Polizei, Nachtwachen, Bewachung der Stadtmauern und -tore, Feuerwehr, Ordnung bei Märkten und Veranstaltungen wie Pferderennen) und leiteten die militärischen Aufgebote der Münchner Bürger. Falls erforderlich, wurden das militärische Aufgebot eines Stadtteils im Feld weiter unterteilt, so werden z. B. 1410 „Achtel“ genannt. Wegen ihrer Bedeutung für die Polizeidienste wurden die Viertel im 19. Jahrhundert auch als Polizeidistrikte bezeichnet.

Nach der Entfestigung Münchens Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Namen der Viertel auf die Stadterweiterungen außerhalb der alten Stadtmauern ausgedehnt, die als äußeres Graggenauer, Anger-, Hacken- und Kreuzviertel bezeichnet wurden. Erst ab 1812 erhielten diese Gebiete eigene Namen und wurden als Vorstädte bezeichnet: St.-Anna-Vorstadt (heute Lehel), Isarvorstadt, Ludwigsvorstadt, Maxvorstadt und Schönfeldvorstadt (heute Teil der Maxvorstadt).

Bei der Einteilung des Stadtgebiets in Stadtbezirke bildeten die mittelalterlichen Stadtviertel die Stadtbezirke 1 bis 4. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielten die Bezirke Namen, die bis auf das Angerviertel keinen Bezug zu den historischen Namen hatten. Im Jahr 1954 wurden die Stadtbezirke 1 und 4 zum Stadtbezirk Altstadt-Nord zusammengefasst und die Stadtbezirke 2 und 3 zum Stadtbezirk Altstadt-Süd. Im heutigen Stadtbezirk Altstadt-Lehel bilden die Viertel vier von sechs Bezirksteilen und tragen wieder ihre historischen Namen. Ihre Außengrenzen werden überwiegend durch den Altstadtring gebildet und liegen damit größtenteils außerhalb der mittelalterlichen Grenzen.

NameLageOst- bzw. WestgrenzeNord- bzw. SüdgrenzeViertel 1363Name 1363Bezirk-Nr.Name 1947
Graggenauer ViertelNordostWeinstraße – TheatinerstraßeMarienplatz – Tal4.Wilbrechtsviertel1Max-Joseph-Platz
AngerviertelSüdostRosenstraße – Sendlinger StraßeMarienplatz – Tal1.Rindermarktviertel2Angerviertel
HackenviertelSüdwestRosenstraße – Sendlinger StraßeKaufingerstraße – Neuhauser Straße2.Kramenviertel3Sendlinger Straße
KreuzviertelNordwestWeinstraße – TheatinerstraßeKaufingerstraße – Neuhauser Straße3.Eremitenviertel4City-Bezirk

Graggenauer Viertel

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Marienplatz mit neuem Rathaus
Max-Josephs-Platz

Der Name des Graggenauer Viertels leitet sich von der Graggenau ab, einer 1325 „Grakkaw“ und 1326/27 „Gragkenawe“ genannten Flurbezeichnung, die ihre Wurzel im Wort Krack hat, das Rabe, Krähe bedeutet. Das Graggenauer Viertel war das einzige, das bei seiner ersten urkundlichen Erwähnung als „Wilbrechtsviertel“ nach seinem Hauptmann benannt wurde. Nach weiteren Hauptleuten hieß es 1420/21 „des Hansens Barts Viertel“, 1433 „des Scharfzahns Viertel“, 1439 wieder „des Wilbrechts Viertel“. Auch die anderen Viertel wurden zeitweise nach ihren Hauptleuten benannt. Mit dem Kreuzviertel zusammen bildete das Graggenauer Viertel im Mittelalter das Gebiet der Frauenpfarrei und ab 1954 den Stadtbezirk Altstadt Nord.

Das Graggenauer Viertel ist geprägt durch die herzoglichen Bauten des Alten Hofs und der Münchner Residenz, die zusammen mit zwischen ihnen liegenden und dem Hofdienst zugeordneten Bauten, z. B. dem Alten Marstall (Alte Münze), den herzoglichen Zeughäusern und der Hofpfisterei, das Viertel in zwei Hälften teilten, einen Bereich auf der Altstadtterrasse und einen Bereich im Tal. Der Bereich nördlich des Marienplatzes wurde zunächst von der Hofdienerschaft, später auch von wohlhabenden Bürgern bewohnt. Der im Tal liegende Bereich war überwiegend Sitz von Handwerksbetrieben. Das Franziskanerkloster am heutigen Max-Joseph-Platz, das Pütrich-Regelhaus (auch: Pütrich-Seelhaus) und das Ridler-Seelhaus bildeten den geistlichen Schwerpunkt des Viertels.

Das bürgerliche München war seit dem Mittelalter durch das Alte Rathaus in diesem Viertel repräsentiert. Im 19. Jahrhundert mussten die Häuser nördlich des Marienplatzes dem Bau des Neuen Rathauses weichen. Wegen seiner Nähe zum Hof war das Graggenauer Viertel bei Reisenden besonders beliebt. Heute bildet das Platzl mit dem Hofbräuhaus einen touristischen Anziehungspunkt. Mit der Maximilianstraße, der Residenzstraße und der Ostseite der Theatinerstraße liegen auch die vornehmsten Geschäftsstraßen in diesem Viertel. Nördlich des Neuen Rathauses liegt der Marienhof. Dieser Bereich und seine Wohnbebauung wurden während des Zweiten Weltkriegs durch US-Bombenangriffe zerstört. Zwischenzeitlich als Parkplatz genutzt, wurde der Marienhof nie wieder bebaut. Die dort befindliche Grünfläche musste im Jahr 2018 im Rahmen der Bauarbeiten zur zweiten S-Bahn Stammstrecke weichen.[7]

St. Jakobsplatz

Im Angerviertel waren vorwiegend handeltreibende Bürger und Handwerker ansässig, die die Wasserkraft der Stadtbäche für ihre Betriebe nutzten. Das Angerviertel hat seinen Namen von einem Anger, also einem offenen Platz, der sich ursprünglich im Bereich des heutigen Sankt-Jakobs-Platzes befand. Es ist das Viertel, das als letztes seinen heutigen Namen bekam. Der ursprüngliche Name „Rindermarktviertel“ stammte von dem ehemaligen Viehmarkt, an den der Rindermarktbrunnen des Bildhauers Josef Henselmann aus dem Jahr 1964 und der Straßenname Rindermarkt noch erinnern. Nach Hauptleuten des Viertels wurde es 1420/21 als „des Hans Pütrichs Viertel“ und 1445 als „des Rudolfs Viertel“ bezeichnet. 1487 ist die Bezeichnung „am Anger…zu München“ in einer Münchner Notariatsurkunde bezeugt.[8] Mit dem Hackenviertel zusammen bildete das Angerviertel im Mittelalter das Gebiet der Peterspfarrei, das Gebiet des Heilig-Geist-Spitals bildete jedoch eine eigene Pfarrei mit der