Albert Huyskens
Albert Huyskens (* 30. Juli 1879 in Mönchengladbach; â 26. Oktober 1956 in Aachen) war ein deutscher Historiker, Archivar und Bibliothekar.
Leben und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Albert Huyskens, der Spross einer alten streng katholischen rheinischen Kaufmannsfamilie, studierte nach seinem Abitur 1898 Geschichte. WĂ€hrend seines Studiums wurde er 1899 Mitglied der katholischen Studentenverbindung KDStV Rheno-Franconia MĂŒnchen im CV.[1] SpĂ€ter wurde er noch Mitglied der KAV Suevia Berlin, KDStV Kaiserpfalz Aachen und KDStV Bergland Aachen.[2] Nach seiner Promotion 1901 absolvierte er 1904 noch die StaatsprĂŒfung fĂŒr Archivdienste und wurde 1911 zum Direktor des Aachener Stadtarchivs ernannt. Zehn Jahre spĂ€ter wurde Huyskens an der RWTH Aachen habilitiert und lehrte anschlieĂend zunĂ€chst als Privatdozent und ab 1925 als auĂerordentlicher Professor fĂŒr Deutsche und Rheinische Geschichte am historischen Institut der TH. WĂ€hrend dieser Zeit trat er in den Philisterzirkel der KDStV Franconia Aachen ein, einer Katholischen Deutschen Studentenverbindung der RWTH Aachen im gröĂten Cartellverband Europas, welchen er schlieĂlich 22 Jahre lang als Vorsitzender leitete.
Nach seiner Ernennung zum Direktor der Stadtbibliothek Aachen im Jahre 1931 konnte er deren Bestand durch Ăbernahme der Fachbibliothek des Kunsthistorikers Georg Humann (1847â1932), der Bibliothek der Kunstgewerbeschule Aachen nach deren Auflösung durch die Nationalsozialisten sowie weiterer kleinerer Privatbibliotheken auf insgesamt 200.000 Einzelexemplare erhöhen. Es gehörte auch zu seiner Verantwortung, groĂe Teile der Bibliothek vor der kriegsbedingten Zerstörung am 17. Oktober 1943 auszulagern und zu retten. Doch dies gelang ihm nur bedingt und der Bestand reduzierte sich durch die Kriegseinwirkungen auf 125.000 BĂ€nde.
In den zwanziger Jahren wurde Huyskens Mitglied der Westdeutschen Gesellschaft fĂŒr Familienkunde, deren Vorsitz er anschlieĂend ab 1927 fĂŒr 17 Jahre lang innehatte. Als Vorsitzender des Aachener Geschichtsvereins ab 1934 gab er auch dessen Zeitschrift heraus.
Huyskens profilierte sich als auĂerordentlich kompetenter Geschichtsforscher und Geschichtslehrer, spezialisiert vor allem auf die Zeit des Mittelalters. WĂ€hrend seiner Aachener Zeit beschĂ€ftigte er sich hauptsĂ€chlich mit Themen der mittelalterlichen Geschichte Aachens, aber auch mit Heimat- und Familienforschung.
Aufarbeitung seiner TÀtigkeit wÀhrend der Zeit des Nationalsozialismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Trotz dieser historischen Verdienste war Albert Huyskens dabei persönlich nicht unumstritten. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges war es erforderlich, seine Rolle wĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus aufzuarbeiten und zu ĂŒberprĂŒfen und aus diesem Grund war Huyskens, der sich 1944 zwischenzeitlich nach Nordenau im Sauerland abgesetzt hatte, gezwungen, alle seine Posten und Funktionen bis auf Weiteres ruhen zu lassen. Es haftete ihm der Vorwurf an, dass er sein Wissen und hierbei vor allem seine genealogischen Familiendaten besonders aus den Unterlagen des Stadtarchivs missbraucht haben könnte, um Familien auf Grund ihrer gegebenenfalls nicht arischen Abstammung zu denunzieren und damit auch die Anpassung und Eingliederung der Westdeutschen Gesellschaft fĂŒr Familienforschung an den Volksbund der Sippenkundlichen Vereine (VSV) im Jahre 1935 vorangetrieben zu haben.
Albert Huyskens, mittlerweile auf Grund seines schlechten Gesundheitszustandes ab 1945 offiziell in den Ruhestand versetzt, durchlief ein Entnazifizierungsverfahren durch die MilitĂ€rbehörden und reichte hierzu Entlastungsschreiben hochangesehener Persönlichkeiten ein. Dieser erste Versuch zur Rehabilitierung scheiterte zwar am 9. Oktober 1946, er legte aber Berufung ein. Das Berufungsgericht stufte ihn nunmehr im Februar 1948 zunĂ€chst in die Kategorie IV, MitlĂ€uferstatus ohne Vermögenssperre, ein und im Januar 1950 nach einem Erlass des Sonderbeauftragten fĂŒr Entnazifizierungsfragen in die Kategorie V, also als entlastete Person.
Nach dieser vorĂŒbergehenden Rehabilitierung Huyskens wurde er von 1948 bis 1955 erneut als Vorsitzender des Aachener Geschichtsvereins wiedergewĂ€hlt. Auch bei den vielfachen Nachrufen und WĂŒrdigungen nach seinem Tod im Jahre 1956, aber auch bei spĂ€teren FachaufsĂ€tzen ĂŒber jene Aachener Zeit wurde seine NS-TĂ€tigkeit weitestgehend ausgeblendet. Im Jahre 1977 beschloss schlieĂlich der Rat der Stadt Aachen, eine StraĂe nach ihm zu benennen.
Jedoch mit der erneuten Aufarbeitung der TĂ€tigkeiten von ehemaligen RWTH-Angehörigen wĂ€hrend ihrer NS-Zeit nach dem Skandal um die DoppelidentitĂ€t des ehemaligen Rektors Hans Ernst Schneider alias Hans Schwerte wurden ebenfalls Huyskens Denken und Wirken vor allem von den Historikern Stefan Krebs und Werner Tschacher unter Leitung des Professors Armin Heinen anhand von Unterlagen, Aufzeichnungen und Briefen nochmals wissenschaftlich aufgearbeitet. Daraufhin kam man seitens der RWTH zu der heutigen Ansicht, dass Huyskens doch schwerer belastet sei als zuvor angenommen. Dies fĂŒhrte wiederum seitens der Stadt Aachen zu dem Entschluss, die Namensgebung des Huyskensweges wieder rĂŒckgĂ€ngig zu machen.
Veröffentlichungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Philipp der GroĂmĂŒtige und die Deutschordensballei Hessen. In: Zeitschrift fĂŒr hessische Geschichte und Landeskunde. Band 38, 1904, S. 99â184.
- Quellenstudien zur Geschichte der hl. Elisabeth, LandgrĂ€fin von ThĂŒringen. Verlag Elwert, Marburg 1908.
- Der sog. Libellus de dictis quatuor ancillarum s. Elisabeth confectus. Kempten/MĂŒnchen 1911.
- Die Klöster der Landschaft an der Werra: Regesten und Urkunden. Elwert, Marburg 1916.
- Aachener Leben. Im Zeitalter des Barock und Rokoko. Fritz Klopp Verlag, Bonn 1929.
- als Hrsg.: CĂ€sarius von Heisterbach: Schriften ĂŒber die heilige Elisabeth von ThĂŒringen. In: Alfons Hilka (Hrsg.): Die Wundergeschichten des CĂ€sarius von Heisterbach. Band 3 (= Publikationen der Gesellschaft fĂŒr rheinische Geschichtskunde. Bnd 43), Bonn 1937.
- Die Aachener Krone der Goldenen Bulle, das Symbol des alten deutschen Reiches. In: Deutsches Archiv fĂŒr Geschichte des Mittelalters. Band 2, 1938.
- Das alte Aachen. Seine Zerstörung und sein Wiederaufbau (= Aachener BeitrĂ€ge fĂŒr Baugeschichte und Heimatkunst. Band 3). Aachener Geschichtsvereins, Aachen 1953.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Heinrich Savelsberg: Professor Dr. Albert Huyskens. Ein Lebensbild. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsverein 57, 1936, S. 7â12.
- Stefan Krebs/Werner Tschacher: Im Sinne der rassischen Erneuerung unseres Volkes â Albert Huyskens, die Westdeutsche Gesellschaft fĂŒr Familienkunde und das Aachener Stadtarchiv im Nationalsozialismus. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsverein 109, 2007, S. 215â238.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und ĂŒber Albert Huyskens im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Titel im B3KAT
- Kurzbiographie im Archiv der RWTH-Aachen: â Personengruppen â Namensgeber
- Stefan Krebs, Werner Tschacher: Sippenforschung und Rassepolitik â Albert Huyskens und der Aachener Mythos vom katholischen Widerstand, 20. Oktober 2005
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Gesamtverzeichnis des C.V. Die Ehrenmitglieder, Alten Herren und Studierenden des Cartellverbandes (C.V.) der kath. deutschen Studentenverbindungen. 1912, StraĂburg i. Els. 1912, S. 265.
- â Cartellverband der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen: Die Ehrenmitglieder, Alten Herren und Studierenden des CV, des Cartell-Verbandes der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen. Wien 1931, S. 493.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Huyskens, Albert |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Historiker, Archivar und Bibliothekar |
| GEBURTSDATUM | 30. Juli 1879 |
| GEBURTSORT | Mönchengladbach |
| STERBEDATUM | 26. Oktober 1956 |
| STERBEORT | Aachen |