Das Agroneum Alt Schwerin ist ein agrarhistorisches Freilichtmuseum im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Es veranschaulicht die Guts- und Landwirtschaftsgeschichte Mecklenburgs von 1848 bis heute. GegrĂŒndet 1963 unter dem Namen Agrarmuseum Alt Schwerin, erhielt es 2012 nach umfangreichen Umbauten und einer Imagekampagne den heutigen Namen âAgroneum Alt Schwerinâ.
Bei der GrĂŒndung des Agroneums wurde 1963 das ganze Dorf Alt Schwerin miteinbezogen. In dem ehemaligen Gutsdorf sind bis heute Teile der alten Gutshofs erhalten, dazu gehören das Herrenhaus (heute ein Seniorenheim) mit einem Park im englischen Stil, das Verwalterhaus (heute Wohnhaus und Kita), Wirtschafts- und StallgebĂ€ude. Ebenfalls erhalten sind WohngebĂ€ude fĂŒr Bauern und Tagelöhner: eine Schnitterkaserne von 1904 sowie Landarbeiterkaten (Steinkaten), die um 1870 erbaut wurden.
Bei der MuseumsgrĂŒndung am 30. Juni 1963 entschied man sich fĂŒr ein dezentrales Freilichtmuseum mitten im Dorf. FĂŒr die Anlage wurden im Laufe der Zeit verschiedene Bauten in anderen Orten abgetragen und auf dem FreigelĂ€nde wieder aufgebaut, z. B. eine Dorfschmiede aus Marxhagen, eine Reifenschmiede aus Herzfelde (Uckermark), eine WindmĂŒhle (ErdhollĂ€nder) aus Jarmen oder die Wittenbornkate aus Wittenborn (Kreis Pasewalk).
Das Agroneum besitzt eine umfangreiche Sammlung von agrarhistorischen ArbeitsgerĂ€ten und -maschinen, Möbeln, Schul- und Unterrichtsmaterialien, AlltagsgegenstĂ€nden und vielem mehr. Eine Besonderheit ist die original erhaltene DDR-Ausstellung â5000 Jahre Landwirtschaft in Mecklenburgâ von 1988 in der Schnitterkaserne. Sie wurde als âMuseum im Museumâ erhalten und gibt einen guten Einblick in die gesellschaftliche und politische Situation Ende der achtziger Jahre in der DDR. 1981 diente das Agroneum als Kulisse und Drehort fĂŒr eine Dokumentation des ZDF, welche auf das Leben der Landbevölkerung und den Stand der landwirtschaftlichen Entwicklung der DDR einging.[2]
Das Agroneum organisiert regelmĂ€Ăig Veranstaltungen, dazu gehören das Internationale Dampftreffen (alle zwei Jahre) sowie das Oldtimer- und Traktorentreffen (jĂ€hrlich) in Alt Schwerin.
Neobarockes Gutstor des Gutes VollratsruheDampfpflug-Lokomobile Fabriknummer 425, Firma A. Heuke Gatersleben 1915Wittenbornkate (Tagelöhnerkate aus Wittenborn, um 1800 erbaut, seit 1965 in Alt Schwerin), die Einrichtung zeigt die Wohnsituation einer Tagelöhnerfamilie um 1870
Landarbeiterkate (Steinkate, um 1870, mit 50 m LĂ€nge eine der LĂ€ngsten in Mecklenburg-Vorpommern), in der Steinkate werden verschiedene Wohnsituationen dargestellt:
Landarbeiterwohnung um 1910
Landarbeiterwohnung um 1942
Wohnung eines Genossenschaftsbauern von 1965 (die Wohnung ist original von der letzten darin lebenden Familie erhalten, das Museum hat Wohnung samt Einrichtung 1970 gekauft)
Gutstor Vollratsruhe â Das Haupttor des Gutes Vollrathsruhe gilt als Meisterwerk der Schmiedekunst. Das 1890 im Stil des Neobarock entworfene Tor erhielt 1893 als Modell auf der Weltausstellung in Chicago einen Sonderpreis. Es wurde 1893 in der Werkstatt ArmbrĂŒster in Vollratsruhe gefertigt. Seit 1964 befand sich das Tor vor dem Gutshaus Alt Schwerin. 2012 wurde es auf das MuseumsfreigelĂ€nde des Agroneums umgesetzt.
Das Agroneum wechselte in den letzten Jahren mehrmals seine TrĂ€gerschaft. Nach der Wende war das Museum anfangs dem ehemaligen Landkreis MĂŒritz und spĂ€ter dem Landkreis Mecklenburgische Seenplatte untergeordnet. Seit dem 1. Juli 2015 gehört das Agroneum zur neu gegrĂŒndeten Wirtschaftsförderung Mecklenburgische Seenplatte GmbH (WMSE). Der WMSE, deren GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Sabine Lauffer ist, sind ebenso das Heinrich-Schliemann-Museum in Ankershagen und das 3 Königinnen Palais in Mirow untergeordnet.[4]
1995 wurde der gemeinnĂŒtzige Verein âFörderer und Freunde des Agrarhistorisches Museums Alt Schwerin e.V.â gegrĂŒndet. 2014 erfolgte die Umbenennung zu âFörderer und Freunde des AGRONEUMS Alt Schwerin e.V.â[5]
Erich Hobusch: Alt-Schwerin â ein mecklenburgisches Dorf, Studie zur Geschichte der Gemeinde Alt-Schwerin (Kreis Waren) als Diskussionsgrundlage fĂŒr die Einrichtung einer agrarhistorischen Freilicht-Museums in Mecklenburg, Waren (MĂŒritz) 1962
Agrarhistorischen Museum Alt-Schwerin (Hrsg.): Agrarhistorisches Museum Alt Schwerin â MuseumsfĂŒhrer, Alt Schwerin 1972
Agrarhistorischen Museum Alt-Schwerin (Hrsg.): Junkerland in Bauernhand, Schaffung der Grundlagen der Demokratie im Dorf (Mai 1945â1949), Dokumente des Ausstellungsraumes 7 des Agrarhistorischen Museums in Alt-Schwerin, Alt Schwerin 1975
Agrarhistorischen Museum Alt-Schwerin (Hrsg.): Neubauernprogramm (1947/49), Dokumente des Ausstellungskomplexes âNeubauernhausâ des Agrarhistorischen Museums in Alt Schwerin, Alt Schwerin 1985
Agrarhistorischen Museum Alt-Schwerin (Hrsg.): Agrarhistorisches Museum Alt Schwerin â Museum des Landkreises MĂŒritz, Alt Schwerin 2002
Anke Gutsch: Vom Agrarhistorischen Museum Alt Schwerin zum AGRONEUM Alt Schwerin, In: Heimathefte fĂŒr Mecklenburg und Vorpommern, Schwerin 2011, ISSNÂ 0948-1265, ZDB-ID 13127214, Bd. 21.2011, 1, S. 9â10
Agroneum (Hrsg.): Agroneum Alt Schwerin â MuseumsfĂŒhrer, Aus der Agrargeschichte Mecklenburgs â von den AnfĂ€ngen bis zur Gegenwart, Alt Schwerin 2012
Erich Rottenau: Alt Schwerin â das Museumsdorf an der B 192, In: Mein Mecklenburg â das Magazin fĂŒr Mecklenburg-Vorpommern, Neubrandenburg 2015, ISSNÂ 1866-1963, ZDB-ID 24284658, Bd. 8.2015, 2, S. 8â9